Auf der Bahnstrecke über Stendal könnten die angekündigten Sperrungen deutlich länger dauern als bislang geplant. Die Industrie- und Handelskammer Magdeburg (IHK) sieht die Änderungen der Bauplanung auf dem Korridor Hannover–Berlin mit großer Sorge und fordert verlässliche Ersatzangebote für Unternehmen und Pendler.

Nach den aktuellen Planungen sollen sich die Sperrungen auf der Strecke Wolfsburg–Oebisfelde–Stendal–Rathenow deutlich verlängern. Zusätzlich sind Einschränkungen auf der Schnellfahrstrecke zwischen Wolfsburg und Berlin vorgesehen. Die IHK veröffentlichte ihre Forderungen am 20. August 2026 in Magdeburg.

Altmark besonders betroffen

Nach Einschätzung der Kammer treffen die Folgen vor allem die Altmark und ihre wirtschaftlichen Verbindungen zu den Oberzentren und Arbeitsmärkten in Niedersachsen, Berlin und Sachsen-Anhalt. Für zahlreiche Unternehmen seien funktionierende Bahnverbindungen wichtig, weil sie die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen, Ausbildungsstandorten und Geschäftspartnern sichern.

Betroffen sind damit auch Menschen, die regelmäßig zwischen der Altmark, Magdeburg, Wolfsburg, Hannover und Berlin pendeln. Lang andauernde Einschränkungen im Bahnverkehr könnten nach Darstellung der IHK die Gewinnung von Fachkräften erschweren und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts zusätzlich beeinträchtigen.

„Die Wirtschaft unterstützt die Modernisierung und den Ausbau der Schieneninfrastruktur ausdrücklich. Deutschland braucht leistungsfähige Verkehrswege, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig müssen die Belastungen für Unternehmen und Beschäftigte auf das notwendige Maß begrenzt werden. Die Altmark darf nicht über Jahre hinweg von wichtigen Verkehrsverbindungen abgeschnitten werden“, erklärt IHK-Präsident Klaus Olbricht.

Diese Maßnahmen verlangt die IHK

Die Kammer fordert, die Auswirkungen der Bauarbeiten durch konkrete Ausgleichsmaßnahmen abzufedern. Dazu zählen leistungsfähige Ersatzangebote während der Bauzeit und verlässliche Anschlüsse. Außerdem verlangt die IHK zusätzliche Verkehrsangebote auf der Verbindung Leipzig–Magdeburg–Stendal–Wittenberge mit Anschlüssen nach Hannover und Berlin.

  • leistungsfähige Ersatzangebote während der Bauzeit
  • verlässliche Anschlüsse für Reisende
  • zusätzliche Verkehrsangebote über Leipzig, Magdeburg, Stendal und Wittenberge

Die geplanten Investitionen müssten zudem so umgesetzt werden, dass die betroffenen Regionen nach Abschluss der Arbeiten tatsächlich besser angebunden sind. Der Ausbau ist Teil eines übergeordneten Projekts für den Korridor Hannover–Berlin und die Lehrter Stammbahn. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs langfristig zu erhöhen.

„Wenn das nördliche Sachsen-Anhalt erhebliche Belastungen aus einem bundesweit bedeutsamen Infrastrukturprojekt trägt, dann erwarten wir im Gegenzug eine klare Verbesserung der verkehrlichen Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen und Beschäftigten“, betont Olbricht. Die Erreichbarkeit der Altmark und die Anbindung an die Wirtschaftszentren müssten dauerhaft gestärkt werden. Zugleich sollte die aktuelle Situation genutzt werden, um wichtige Infrastrukturprojekte in Sachsen-Anhalt zu beschleunigen.