In Sachsen-Anhalt sind junge Menschen inzwischen deutlich in der Minderheit: Ende 2025 waren nur 9,1 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahre alt. Das geht aus einer neuen Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervor. Für Stendal ist die Entwicklung vor allem mit Blick auf Ausbildung, Fachkräfte und die Zukunft regionaler Einrichtungen relevant.
Die Zahlen zeigen ein klares Ost-West-Gefälle. Brandenburg kam mit 8,8 Prozent auf den bundesweit niedrigsten Jugendanteil. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erreichten jeweils 9,1 Prozent, Thüringen 9,2 Prozent und Sachsen 9,7 Prozent. Alle fünf ostdeutschen Flächenländer lagen damit unter dem deutschen Durchschnitt von 10,0 Prozent.
Eine Entwicklung mit langer Vorgeschichte
Bundesweit lebten Ende 2025 rund 8,3 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Der Anteil dieser Altersgruppe verharrt laut der Auswertung seit Beginn der 2020er-Jahre auf historisch niedrigem Niveau. Zum Vergleich: 1983 gehörten noch 16,7 Prozent der Bevölkerung zur Gruppe der 15- bis 24-Jährigen. Damals waren die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge selbst noch jung.
Für die Alterung Ostdeutschlands sind nicht nur niedrige Geburtenzahlen verantwortlich. Nach Angaben von Destatis beschleunigte insbesondere die starke Abwanderung junger Erwachsener nach der Wiedervereinigung die Veränderung der Altersstruktur. Überdurchschnittlich viele junge Frauen verließen die ostdeutschen Länder. Dadurch verringerte sich zusätzlich die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter.
Die Folgen wirken über Jahrzehnte: Fehlt eine Generation junger Erwachsener, werden später auch weniger Kinder geboren. Gleichzeitig erreichen große ältere Jahrgänge inzwischen das Rentenalter. In vielen ostdeutschen Regionen ist deshalb der Anteil jüngerer Menschen kleiner, während ältere Jahrgänge stärker vertreten sind.
Warum das auch für Stendal wichtig ist
Der Jugendmangel ist nicht nur eine statistische Entwicklung. Er betrifft Unternehmen, Handwerksbetriebe, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und öffentliche Verwaltungen. Junge Menschen sind die Auszubildenden, Fachkräfte, Gründer und Familien der kommenden Jahre. Bleibt ihre Zahl niedrig, wächst der Wettbewerb um Nachwuchs.
Langfristige Vorausberechnungen von Destatis zeigen, wie groß die Herausforderung werden könnte: In den ostdeutschen Flächenländern könnte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter bis zum Ende der 2050er-Jahre je nach Entwicklung um 18 bis 32 Prozent sinken. Damit wird die Frage, wie junge Menschen gehalten oder neu gewonnen werden können, zu einer wirtschaftlichen Standortfrage.
Eine mögliche Rolle spielt Zuwanderung. Bundesweit waren 2025 unter Menschen ohne Einwanderungsgeschichte 8,5 Prozent zwischen 15 und 24 Jahre alt. Bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte lag der Anteil bei 12,2 Prozent. Regionen mit Fachkräftemangel müssen deshalb junge Menschen vor Ort halten und zugleich für junge Zuwanderer attraktiv sein.
Gute Arbeitsplätze allein reichen nach der Analyse nicht aus. Genannt werden außerdem bezahlbarer Wohnraum, erreichbare Schulen und Hochschulen, Freizeitangebote, leistungsfähiger Nahverkehr sowie berufliche Perspektiven. Der demografische Wandel lässt sich kurzfristig nicht umkehren. Regionen können aber beeinflussen, ob junge Menschen nach Ausbildung oder Studium bleiben, zurückkehren oder neu hinzuziehen.