Für Autofahrer in Stendal ist eine fast zweijährige Sperrung beendet: Die neue Kanonenbrücke in der Lüderitzer Straße ist fertig und wieder für den Verkehr freigegeben. Die Brücke führt über die Bahngleise und verbindet das Stendaler Zentrum mit dem südlichen Teil der Stadt. Die Freigabe erfolgte nach einer feierlichen Einweihung am Dienstag, wie der MDR berichtet.
Damit gehören die Umwege, die Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer während der Bauzeit nehmen mussten, zunächst der Vergangenheit an. Die Arbeiten waren notwendig geworden, weil die frühere Brücke durch einen Neubau ersetzt wurde. Nach Angaben der Stadt dauerte der eigentliche Bau 18 Monate. Die Kosten beliefen sich auf rund 6,6 Millionen Euro.
Warum der Neubau fast zwei Jahre dauerte
Die lange Sperrung hing vor allem mit den besonderen Bedingungen am Standort zusammen. Die Bauarbeiten mussten bei laufendem Bahnbetrieb ausgeführt werden. Eine Unterbrechung des Bahnverkehrs lässt sich bei solchen Vorhaben nicht kurzfristig organisieren: Nach Angaben des Bauleiters Bodo Strelow kann es Monate dauern, bis eine Sperrpause eingeplant und genehmigt ist.
Die Verbindung über die Gleise blieb deshalb während der Bauphase gesperrt, während die Arbeiten parallel zum Bahnverkehr vorangetrieben wurden. Der nun abgeschlossene Neubau soll den Verkehr wieder über die Lüderitzer Straße führen.
Neue Brücke ist deutlich größer
Die neue Kanonenbrücke unterscheidet sich in ihren Abmessungen deutlich von ihrem Vorgänger. Die ursprüngliche Brücke hatte eine Spannweite von weniger als 20 Metern. Das neue Bauwerk misst 32 Meter. Für den Unterbau wurden sechs millimetergenau eingebrachte Fertigteile aus speziell beschichtetem Stahl verwendet.
Außerdem ist die Konstruktion für die Zukunft ausgelegt: Unter der Brücke ist nun Platz für zwei zusätzliche Gleise. Der MDR stellt den Neubau damit auch in den Zusammenhang mit der Entwicklung der Bahnverbindung und den Anforderungen an Arbeiten über einer weiterhin genutzten Strecke.
Woher der Name „Kanonenbrücke“ kommt
Der traditionelle Name ist in Stendal weiterhin bekannt. Der Ursprung soll auf einen Militärunfall zurückgehen. Zu DDR-Zeiten wurden Truppenverbände zu einem großen Teil per Bahnwaggon verlegt. Bei einem solchen Transport soll eine nicht gesicherte Panzerkanone die frühere Brücke schwer beschädigt haben. Der MDR kennzeichnet diese Erklärung als angebliche Herkunft des Namens.
Die Wiedereröffnung ist nicht das einzige größere Verkehrsprojekt, das Stendal zuletzt betroffen hat. Im Juni wurde laut MDR die A14 bis Stendal-Süd freigegeben. Dadurch erhielt die Stadt erstmals einen direkten Anschluss an das Autobahnnetz. Mit der Kanonenbrücke steht nun zusätzlich eine wichtige innerstädtische Verbindung zwischen Zentrum und Süden wieder zur Verfügung.