Thomas Weise kennt Stendal, die Kommunalpolitik und die Menschen vor Ort seit vielen Jahren. Trotzdem reichte sein Engagement bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht für den Einzug in den Landtag. Im Wahlkreis 4 Stendal/Bismark gewann der AfD-Kandidat Matthias Büttner mit 42,6 Prozent das Direktmandat. Weise kam auf 24,7 Prozent.
Der Ausgang ist für die CDU-Basis in Stendal besonders bitter, weil Weise seit mehr als 15 Jahren in der Lokalpolitik aktiv ist. Der 57-Jährige sitzt für die CDU im Stadtrat und im Kreistag. Außerdem ist er Unternehmer und handelt unter anderem mit Gasflaschen. Sein politisches und gesellschaftliches Engagement erklärt er mit seiner engen Verbindung zur Region.
„Ich bin seit 30 Jahren selbstständig und ich wohne hier, ich lebe hier. Und das eine bedingt ja das andere“
Auch als Präsident des Fußball-Clubs Lok Stendal ist Weise in der Stadt präsent. Bei der Landtagswahl wollte er diese Bekanntheit nutzen. Ein Direktmandat galt für die CDU in dem Wahlkreis früher als realistische Möglichkeit. Dieses Mal blieb der Erfolg jedoch aus. Auch Platz 26 auf der Landesliste genügte nicht, um in die inzwischen stark verkleinerte CDU-Fraktion einzuziehen.
AfD gewinnt Wahlkreis mit deutlichem Vorsprung
Der Wahlausgang in Stendal steht im Zusammenhang mit dem landesweiten Ergebnis. Die CDU-Fraktion schrumpfte nach der Wahl von 40 auf 15 Mitglieder. Kein CDU-Kandidat gewann ein Direktmandat. Insgesamt holte die AfD 38 der 41 Wahlkreise direkt, drei Wahlkreise gingen an die Linke.
Im Wahlkreis Stendal/Bismark profitierte Matthias Büttner vom starken AfD-Trend. Der 35-Jährige gehört zum einflussreichen Stendaler AfD-Kreisverband um Ulrich Siegmund und zog zum zweiten Mal in den Landtag ein. Nach Darstellung des MDR trat Büttner im Wahlkampf allerdings kaum öffentlich in Erscheinung. Zuvor war er auch im Bundestag politisch wenig aufgefallen; dort hielt er in vier Jahren eine Rede.
Für Weise ist gerade dieser Gegensatz schwer nachzuvollziehen. Er hatte gehofft, mit seiner langjährigen Arbeit und seinem Bekanntheitsgrad gegen einen aus seiner Sicht weniger bekannten Gegenkandidaten punkten zu können.
„Ich hatte gehofft, dass ich es schaffe, gegen einen doch recht namenlosen Kandidaten hier zu punkten. Aber es hat für den Bürger überhaupt keine Rolle gespielt“
Auch nach der Niederlage bleibt bei ihm Unverständnis über die Wirkung kommunalpolitischer Arbeit zurück.
„Der Bürger verlangt, dass man das, was man hier macht, ordentlich macht. Aber bei der Wahl wird dann jemand anderes gewählt“
CDU vor schwieriger Aufarbeitung
In der Stendaler CDU wird das Ergebnis als Einschnitt verstanden. Matthias Kirchbach, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, sieht zwar den Handlungsbedarf, aber noch keine fertigen Antworten.
„Mit Sicherheit zieht man daraus, dass sich was ändern muss. Was konkret, bleibt glaube ich abzuwarten. Da gibt es kein Patentrezept. Das müssen wir noch mal diskutieren, was es für Ideen und Möglichkeiten gibt“
Der Frust reicht dabei über die Stadtpolitik hinaus. Auch im Kreistag und in den Ortschaften wirkt das starke AfD-Ergebnis nach. Christel Güldenpfennig, CDU-Kreistagsmitglied und seit Jahrzehnten Ortsbürgermeisterin in Dahlen, beschreibt die Enttäuschung über die fehlende Anerkennung für lokale Präsenz besonders deutlich.
„Da sitzt der Stachel dann noch viel tiefer. Wenn man da – sag ich mal – so einen Besenstiel hinstellen kann, und der wird gewählt. Und die Leute, die was tun, die vor Ort präsent sind, die auch ein Gesicht haben für die Leute eigentlich, die werden nicht gewählt, bloß weil die Bundesstimmung so ist, wie sie ist.“
Weise will in Stendal weitermachen
Für Thomas Weise ist die Wahl persönlich abgeschlossen. Sein ehrenamtliches Engagement will er dennoch fortsetzen – sowohl in der Lokalpolitik als auch beim 1. FC Lok Stendal. Gerade gegenüber dem Verein, seinen Fans und den Spielern sieht er eine Verantwortung.
„Engagement ist sehr, sehr wichtig und man darf sich da von solchen Rückschlägen nicht beeinflussen lassen“
Damit bleibt Weise trotz des verpassten Landtagsmandats in mehreren wichtigen Funktionen in Stendal aktiv. Die CDU vor Ort muss derweil klären, wie sie auf den Vertrauensverlust und den Erfolg der AfD reagieren will. Einen konkreten Kurs oder ein fertiges Konzept gibt es nach dem Bericht noch nicht.