An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg arbeitet Prof. Dr. Julian Thiele an einer neuen Methode zur langfristigen Speicherung digitaler Daten. Sein Projekt „AMPALIS“ soll Mikropartikel gezielt zu zwei- und dreidimensionalen Strukturen anordnen. Diese Partikelanordnungen könnten Informationen als physische Träger speichern – möglichst dauerhaft und fehlerfrei.

Für Leserinnen und Leser in Stendal ist das Vorhaben vor allem als Forschungsprojekt aus Sachsen-Anhalt interessant: Es könnte langfristig neue Anwendungen für die Speicherung digitaler Informationen hervorbringen. Eine marktreife Technik gibt es nach den vorliegenden Angaben jedoch noch nicht.

Wie die Datenspeicherung funktionieren soll

Der Ansatz unterscheidet sich von herkömmlichen halbleiterbasierten Speichermedien. Informationen sollen nicht ausschließlich in elektronischen Bauteilen abgelegt werden. Stattdessen will das Forschungsteam definierte Strukturen aus Mikropartikeln als Informationsträger nutzen.

Die wissenschaftliche Grundlage entstand im Vorgängerprojekt „3DPartForm“. Dort entwickelte Thiele eine Technologie, mit der Mikropartikel durch gezielten Unter- und Überdruck an bestimmten Positionen platziert werden können. Im neuen Projekt sollen solche Strukturen nun mit präziser Robotertechnik hergestellt werden.

Geplant sind sowohl flache zweidimensionale Anordnungen als auch räumliche dreidimensionale Strukturen. Die Forschenden wollen untersuchen, wie langlebig, zuverlässig und fehlerfrei sich Daten damit speichern und später wieder auslesen lassen.

Forschung soll in Richtung Anwendung gehen

Mit „AMPALIS“ verschiebt sich der Schwerpunkt gegenüber der Grundlagenforschung stärker in Richtung praktischer Nutzung. Das Team untersucht neben der Herstellung der Mikropartikel auch die dafür erforderlichen technischen Geräte. Ebenso geht es um das Speichern und Auslesen der Informationen sowie um mögliche wirtschaftliche Einsatzbereiche.

Auch Marktanalysen und die Entwicklung eines Geschäftsplans gehören zum Projekt. Damit soll geprüft werden, ob aus dem wissenschaftlichen Prinzip ein technisch und wirtschaftlich nutzbares Verfahren entstehen kann.

Das Vorgängerprojekt „3DPartForm“ wurde vom Europäischen Forschungsrat zwischen 2020 und 2026 mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro über einen Starting Grant gefördert. Für „AMPALIS“ erhielt Thiele zusätzlich 150.000 Euro Drittmittel. Grundlage dafür ist das Exzellenzsiegel „Seal of Excellence“ des Europäischen Forschungsrats. Das Geld stammt aus einer Pilotmaßnahme des Bundesforschungsministeriums, die den Übergang von bereits geförderten Forschungsergebnissen zu möglichen technologischen Anwendungen unterstützen soll.

Ersetzt die Technik künftig klassische Speicher?

Nach Darstellung des Wissenschaftsministeriums Sachsen-Anhalt besteht ein mögliches Ziel darin, digitale Informationen länger und fälschungssicherer zu speichern als mit herkömmlicher Halbleitertechnik. Ob die Mikropartikel-Strukturen klassische Speichermedien tatsächlich ersetzen können oder zunächst nur für spezielle Anwendungen infrage kommen, ist noch offen.

Die nun beginnende Projektphase soll deshalb klären, wie belastbar das Verfahren technisch ist und ob sich daraus wirtschaftlich nutzbare Einsatzmöglichkeiten entwickeln lassen.