Vier Jahre lang hat Marion Wöhler aus Jeeben an ihrem ersten Roman gearbeitet. Nun ist „H-ANNA, Ein bisschen Hermann und ganz viel Anna“ erschienen. Die 61-Jährige hat darin ihre eigene Familienchronik literarisch weiterentwickelt. Anlass für das Projekt waren alte Feldpostkarten, Fotos, handschriftliche Notizen und Dokumente, die sie nach dem Tod ihrer Mutter entdeckte.
„Es war schon immer mein Traum, ein Buch zu schreiben“, erzählt Wöhler. Die Bilanzbuchhalterin lebt mit ihrem Mann in Jeeben, hat zwei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder. Beruflich arbeitet sie in einem Beetzendorfer Steuerbüro. Mit dem Schreiben hatte ihr bisheriger Werdegang zunächst wenig zu tun: Sie studierte in der ehemaligen DDR Pflanzenproduktion und schloss im Februar 1989 in Rostock als Diplom-Agraringenieurin ab. Nach der Wende absolvierte sie Ausbildungen zur Steuerfachangestellten und zur Bilanzbuchhalterin.
Feldpostkarten wurden zum Ausgangspunkt
Nach dem frühen Tod ihrer Mutter räumte Wöhler deren Schrank auf. Dabei stieß sie auf einen Stapel Feldpostkarten aus dem Jahr 1914. Hinzu kamen Kartons mit Fotos, Notizen und Zeitungsausschnitten sowie ein Familienalbum mit zeitgeschichtlichen Dokumenten. Ihre Mutter hatte die Unterlagen geordnet, beschriftet und größtenteils den Familienstammbäumen zugeordnet.
„Ich verstand es sofort als meinen Auftrag, ihr Vermächtnis zu erfüllen“, erinnert sich Wöhler. Zunächst schrieb sie eine Familienchronik „für den Hausgebrauch“. Gedruckt wurde sie bei Freunden in einer Beetzendorfer Werbeagentur. Der entscheidende Anstoß für den Roman kam 2018: Wöhler las einen Zeitungsartikel des Block-Verlags in Kremkau bei Bismark über das Schreiben einer Biografie und wandte sich an Verleger Helmut Kurt Block.
Nachdem sie ihm ihre umfangreichen Unterlagen gezeigt hatte, ermutigte Block sie zum Weitermachen. 2022 präsentierte sie ihm die fertige Familienchronik und fragte, ob er sie bei der Entwicklung zu einem Roman unterstützen würde. Lektorin Carola Winkelmann half ihr beim Entstehen des Buches und ermutigte sie, weiterzuschreiben.
Schreiben zwischen Beruf und Familie
Am Roman arbeitete Wöhler von 2022 bis 2026. Eine einjährige Pause legte sie ein, als sie Großmutter wurde. „Ich habe jede freie Minute zum Schreiben genutzt. Ich benötigte auch immer mindestens eine Stunde, bis ich wieder in der Thematik drin war“, berichtet sie. Ihr Mann sei gelegentlich genervt gewesen, weil sie beim Schreiben die Zeit vergessen habe. Für seine Geduld und sein Verständnis sei sie ihm deshalb dankbar.
Erfahrung mit Texten sammelte Wöhler außerdem in Schreibwerkstätten und durch regelmäßige Beiträge für den Beetzendorfer Gemeindeboten. Das Schreiben beschreibt sie als Ausgleich zu ihrer Arbeit. Eine Fortsetzung ist bereits in Vorbereitung: Die ersten 40 Seiten seien fertig. „Ich will damit nicht reich werden, sondern mache das, weil es mir Spaß macht“, sagt Wöhler.
Lesung in Beetzendorf angekündigt
Wer den Roman kennenlernen möchte, kann am Montag, 7. September, nach Beetzendorf kommen. In der Bibliothek beginnt um 18.30 Uhr eine Lesung mit Marion Wöhler. Das Buch ist im Handel erhältlich. Der Verleger Helmut Kurt Block übergab am Donnerstag, 6. August, ein Exemplar an Alexander Berberich, den Leiter des Johann-Friedrich-Danneil-Museums in Salzwedel, zur Archivierung.