Das geplante Hightech-Zentrum von Sioux Technologies in Barleben wird nicht gebaut. Nach Angaben der Landesregierung zieht sich das niederländische Unternehmen aus Sachsen-Anhalt zurück. Mehr als 300 angekündigte Arbeitsplätze entstehen damit nicht. Für die Region Magdeburg ist die Entscheidung besonders brisant, weil Sioux als frühes Signalprojekt im Umfeld der geplanten Intel-Fabriken galt.
Auch für Leserinnen und Leser in Stendal ist die Entwicklung wirtschaftlich relevant: Der Rückzug betrifft eine wichtige Ansiedlung in der Altmark-Magdeburg-Region und zeigt, wie unsicher angekündigte Großprojekte bleiben können, solange Investitionen und Arbeitsplätze noch nicht tatsächlich umgesetzt sind.
Gesellschaft bereits im Februar 2026 aufgelöst
Im Handelsregister ist die Auflösung der Sioux Technologies Systems GmbH Barleben seit Februar 2026 vermerkt. Das Vorhaben endet damit, bevor das geplante Forschungs- und Entwicklungszentrum für Hightech-Anwendungen entstehen konnte.
Sioux hatte die Ansiedlungspläne im Juli 2023 gemeinsam mit dem damaligen Wirtschaftsminister Sven Schulze vorgestellt. Vorgesehen waren eine Investition von rund 20 Millionen Euro und mehr als 300 hoch qualifizierte Dauerarbeitsplätze. Die ersten mehr als 50 Stellen sollten nach der ursprünglichen Planung schnell geschaffen werden. Danach war ein schrittweiser Ausbau auf mehr als 300 Beschäftigte vorgesehen.
Gesucht werden sollten vor allem Ingenieure, Softwareentwickler, Physiker sowie Fachkräfte aus der Mechatronik. Das Zentrum sollte Lösungen für die Halbleiterindustrie sowie für die Labor- und Medizintechnik entwickeln. Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen-Anhalt sollten in die Entwicklung des Standorts eingebunden werden.
Unternehmen nennt interne Veränderungen als Grund
Ministerpräsident Sven Schulze erklärte nach Darstellung des Berichts, der Rückzug sei im Land bereits seit längerer Zeit bekannt gewesen. Interne Veränderungen im Unternehmen hätten zu der Entscheidung geführt. Der Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt sei demnach nicht der Auslöser gewesen.
Eine aktuelle Stellungnahme von Sioux Technologies lag zunächst nicht vor. Das Unternehmen arbeitet international für Kunden aus mehreren technologieintensiven Branchen.
Rückschlag für das Intel-Umfeld
Barleben liegt unmittelbar nördlich von Magdeburg und verfügt bereits über einen Technologiepark. Die geplante Ansiedlung sollte von der Nähe zu Hochschulen, Fachkräften und künftigen Partnern der Halbleiterindustrie profitieren. Sachsen-Anhalt wollte rund um Intel ein Netzwerk aus Zulieferern, Forschungsunternehmen und spezialisierten Dienstleistern aufbauen.
Mit dem Ende des Projekts entfallen nicht nur die angekündigten Stellen. Die Gemeinde hatte auch mit neuen Fachkräften und deren Familien gerechnet. Solche Ansiedlungen können Auswirkungen auf den Bedarf an Wohnungen, Schulen, Kindertagesstätten und Verkehrsanbindungen haben. Für Barleben fällt nun zunächst ein Forschungszentrum mit mehreren hundert in Aussicht gestellten Arbeitsplätzen weg.
Die Landesregierung verweist zugleich auf weitere Vorhaben in Sachsen-Anhalt, darunter die Grundsteinlegung für eine neue Produktion von Florida Eis in Schönebeck und ein angekündigtes Wohnungsbauprojekt in Magdeburg mit einem Volumen von rund 700 Millionen Euro. Ob diese Projekte die Lücke ausgleichen können, wird sich an ihrer tatsächlichen Umsetzung messen lassen.
Für Magdeburg und das Umland beginnt damit erneut eine Phase der Unsicherheit. Entscheidend wird sein, welche Unternehmen verbindlich investieren, Baustarts erreichen, Beschäftigte einstellen und dauerhafte Standorte aufbauen. Der Sioux-Rückzug macht deutlich, dass große Ankündigungen allein noch keine stabilen Arbeitsplätze oder regionalen Wertschöpfungsketten schaffen.