Nach einer Auseinandersetzung um beschädigte AfD-Wahlwerbung steht der AfD-Europaabgeordnete Arno Bausemer in Stendal politisch unter Druck. Ein 14-Jähriger wurde verletzt und im Krankenhaus behandelt. Das Landeskriminalamt (LKA) hat die Ermittlungen übernommen; der genaue Tathergang ist nach Angaben des MDR weiterhin ungeklärt.

Der Vorfall ereignete sich am Donnerstagabend. Nach Angaben des LKA sollen zwei Jugendliche AfD-Wahlwerbung beschädigt haben. Ein 43-jähriger Deutscher habe die Jugendlichen dabei beobachtet. Anschließend kam es demnach zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Das LKA prüft, ob dabei ein „mutmaßliches Schlagwerkzeug“ eingesetzt worden sein könnte.

Was bislang über den Vorfall bekannt ist

Nach MDR-Informationen handelt es sich bei dem 43-Jährigen um Arno Bausemer. Der AfD-Politiker ist Mitglied des Europäischen Parlaments und unterliegt parlamentarischer Immunität. Er soll einen der beiden 14-Jährigen festgehalten und verletzt haben.

Der Jugendliche wurde nach MDR-Informationen wegen einer leichten Gehirnerschütterung behandelt. Hinzu kamen mehrere Prellungen sowie Verletzungen an Lippe und Zahnfleisch. Der zweite Jugendliche sagte dem MDR, Bausemer habe einen Baseballschläger eingesetzt und seinen Freund damit „vom Roller geholt“. Ob tatsächlich ein Baseballschläger oder ein anderes Schlagwerkzeug verwendet wurde, ist bislang nicht abschließend geklärt.

In einer Stellungnahme auf Facebook schrieb Bausemer, ein AfD-Banner sei zuvor mehrfach zerschnitten und zerstört worden. Gemeinsam mit einem Parteifreund habe er die Jugendlichen „auf frischer Tat“ ertappt. Einen der Jugendlichen habe er nach einer kurzen Verfolgung und Gegenwehr gestellt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Zu dem Vorwurf, ein Schlagwerkzeug eingesetzt und den Jugendlichen verletzt zu haben, äußerte er sich zunächst nicht. Eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zum genauen Ablauf beantwortete er zunächst ebenfalls nicht.

Grüne und Linke verlangen Konsequenzen

Die Grünen in Sachsen-Anhalt fordern personelle Konsequenzen, sollte sich der Vorwurf bestätigen. Susan Sziborra-Seidlitz, Spitzenkandidatin und Landesvorsitzende der Grünen, erklärte, Gewalt dürfe niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung in einer Demokratie werden. Wer einen Baseballschläger gegen einen 14-Jährigen einsetze und dabei eine gefährliche Verletzung in Kauf nehme, sei für ein politisches Amt nicht geeignet und müsse sein Mandat niederlegen.

Auch Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, forderte Bausemers Rücktritt und strafrechtliche Konsequenzen. Die Beschädigung von Wahlplakaten rechtfertige keine Selbstjustiz. Gewalt müsse durch die Polizei unterbunden werden und nicht „in Wildwest-Manier“, erklärte von Angern.

Ermittlungen vor der Landtagswahl

Der Fall fällt in die Vorbereitungsphase der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. Das LKA ermittelt weiter zum Ablauf der Auseinandersetzung und zur möglichen Verwendung eines Schlagwerkzeugs. Eine abschließende Bewertung der Vorwürfe liegt damit noch nicht vor.