Ein persönliches Stück deutscher Zeitgeschichte ist jetzt im Stendaler Stadtarchiv gesichert: Ursula Böttcher und ihr Verleger Helmut Block haben dort am Donnerstag ein Exemplar ihrer Autobiografie übergeben. Das Buch erzählt vom Aufwachsen in der DDR und vom Erleben von Ost und West.
Veröffentlicht wurde das Werk unter Böttchers Mädchennamen Ursula Donath. Der vollständige Titel lautet „Mein Leben und ich. Wie ich, Ursula Böttchen, Ost und West erlebte“. Entgegengenommen wurde das Buch von Simone Habendorf, der Leiterin des Stendaler Stadtarchivs. Der Verlag stellte das Exemplar kostenlos zur Verfügung.
Erinnerungen an den DDR-Alltag
Böttcher wurde 1946 in der Oberlausitz geboren. In ihrer Autobiografie beschreibt sie eine einfache, aber behütete Kindheit und die Lebenswirklichkeiten der damaligen Zeit. Dazu gehört auch, dass Strickwaren gegen Lebensmittel getauscht wurden.
Mit dem Schulbeginn kamen für sie die DDR-Organisationen hinzu. Sie schreibt über das Tragen der FDJ-Bluse, den Unterricht in der sozialistischen Produktion sowie die verpflichtende Teilnahme an Kundgebungen zum 1. Mai und an weiteren Tagen. Böttcher habe daran teilgenommen, sei aber nicht in der Partei gewesen und habe ihren Weg ohne Hindernisse gehen können.
Ihre Rückschau fällt differenziert aus. „Die DDR mit ihren unterschiedlichen Seiten hat mir und meinen Kindern nicht geschadet“, stellt sie fest. Ob es eine Stasi-Akte über sie gibt, weiß Böttcher nach eigener Darstellung nicht. Sie sagt zudem: „Und ich möchte es auch nicht wissen.“
Buch soll Erinnerung bewahren
Die Autobiografie ist nach Böttchers Angaben nicht nur für ihre Kinder gedacht. Auch spätere Generationen sollen sie als Nachschlagewerk nutzen können. Ihre Erfahrungen aus der ehemaligen DDR versteht sie zugleich als Teil ihrer eigenen Biografie und als Geschichte, die künftig möglicherweise vor allem im Schulunterricht vermittelt wird.
Mit der Übergabe an das Stadtarchiv ist nach Angaben des Berichts sichergestellt, dass das persönliche Zeitdokument für die Nachwelt bewahrt wird. Verleger Helmut Block aus Kremkau ermutigt die Leser, sich auf die persönliche Sicht der Autorin einzulassen. Vielleicht, so seine Einschätzung, fänden sie darin Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben wieder.