Ein Experiment im Stendaler Schwanenteich hat ein bemerkenswertes Ergebnis erzielt: Nach drei Monaten erreichte das Wasser laut den Messungen des Rentners und Tüftlers Dietrich Gerhard Zosel sogar Trinkwasserqualität. Statt Chemie setzte er auf Wasserlinsen, die überschüssige Nährstoffe aus dem Gewässer aufnehmen.
Zosel, ein ehemaliger Ingenieur, engagiert sich seit Jahren für die Nutzung der kleinen Schwimmpflanzen. Im Schwanenteich im Stendaler August-Bebel-Park vermehrte er die auch „Entengrütze“ genannten Wasserlinsen und beobachtete ihre Entwicklung. Die Pflanzen überwucherten schließlich den gesamten, rund 6.000 Quadratmeter großen Teich.
Wie Wasserlinsen das Gewässer verändern
Wasserlinsen können dem Wasser Nährstoffe wie Nitrat und Phosphor entziehen. Sie produzieren Sauerstoff, wirken damit gegen Algen und dienen Fischen und Vögeln als Nahrung. Ihren volkstümlichen Namen verdanken sie laut der Erklärung im Beitrag ihrem Aussehen als grüne, breiige Masse und dem Umstand, dass Enten die Pflanzen fressen.
Die schnelle Vermehrung ist zugleich Vorteil und Herausforderung: Unter günstigen Bedingungen können sich die Pflanzen innerhalb von ein bis zwei Tagen verdoppeln. Deshalb müssen sie regelmäßig abgeschöpft werden. Zosel entwickelte dafür verschiedene Verfahren und baute eigene Filter mit einem 3-D-Drucker. Parallel kontrollierte er die Wasserwerte.
Stadtsee bleibt das größere Ziel
Der Versuch ist auch mit Blick auf den Stendaler Stadtsee von Bedeutung. Das rund 95.000 Quadratmeter große Gewässer am Neubauviertel geriet in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Fischsterbens in den warmen Monaten in die Schlagzeilen. Als Ursache wird im Beitrag ein Überschuss an Nährstoffen genannt.
Ob Wasserlinsen dort helfen können, ist jedoch noch offen. Für den deutlich größeren Stadtsee fehlen bislang Abnehmer für die großen Mengen anfallender Pflanzenmasse. Zosel schlägt deshalb eine Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben vor. Die abgeschöpften Wasserlinsen könnten als Dünger oder Tierfutter genutzt werden.
Ein regionaler Bio-Landwirt holte bereits rund 36 Tonnen Wasserlinsen aus dem Schwanenteich ab. Zosel verweist außerdem auf den Nährstoffgehalt der Pflanzen und bezeichnet sie als mögliches „Superfood“ für Menschen. Sie enthielten essenzielle Fettsäuren, Eiweiß und Vitamine.
Stadt, Jugendliche und Bürger halfen mit
Die Hansestadt Stendal förderte das Experiment 2025 mit 2.000 Euro als eines von neun Bürgerprojekten. Unterstützt wurde Zosel außerdem von Jugendlichen des MAD-Jugendclubs, Bürgern, dem Bauhof und regionalen Unternehmen. Neben Zuspruch aus der Nachbarschaft gab es auch mutwillige Beschädigungen: Gegenstände wie Behälter und ein Auto wurden zerstört.
Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos) lobte das Projekt als Beispiel für wissenschaftsbasiertes Erfindertum. „Ich hoffe, dass es im positiven Sinne Nachahmer findet, weil die Ergebnisse offensichtlich sind. Vielleicht können wir uns das zu Nutze machen, um den Schwanenteich nachhaltig zu helfen“, sagte Sieler laut MDR. Ob aus dem Versuch ein Ansatz für den Stadtsee wird, muss nun die Hansestadt Stendal entscheiden.