Ein 150 Gramm schwerer Bernstein aus einer altmärkischen Kiesgrube gehört zu den außergewöhnlichsten Funden von Steffen Pluschke. Der 38-Jährige aus Kalbe sammelt Fossilien und Mineralien – vor allem sogenanntes norddeutsches Geschiebe, also Material, das Gletscher vor Hunderttausenden Jahren aus Skandinavien bis in die Altmark transportierten.

Für Pluschke ist der Blick auf den Boden längst mehr als eine zufällige Suche nach schönen Steinen. Er erkennt darin versteinerte Tiere, uralte Gesteine und kristallines Material. Unter den Fundstücken in seinem Zuhause liegt unter anderem ein etwa 30 Kilogramm schwerer Ammonit. Das versteinerte Gehäuse eines urzeitlichen Meerestiers ist sein bislang größter Fund.

Warum Bernstein in der Altmark so selten ist

Der Bernsteinfund gelang Pluschke in einem Kieswerk der Altmark. Solche Entdeckungen sind nach seinen Angaben selten und erfordern Erfahrung. Entscheidend sei, zu wissen, wann in einem Kieswerk welches Material gefördert wird. Außerdem achtet der Sammler auf kohlehaltige Schichten: Kohle und Bernstein haben eine ähnliche Dichte und können sich deshalb gemeinsam ablagern.

Die Erklärung für Bernstein in der Altmark liegt in der Eiszeitgeschichte der Region. Während der Elster- und der Saale-Kaltzeit schoben Gletscher große Mengen Sedimente und Gestein aus dem Norden Europas nach Süden. Granite, Gneise, Feuersteine sowie Sand- und Kalksteine gelangten so in die Altmark. Dieses von den Gletschern „geschobene“ Material wird als Geschiebe bezeichnet.

In den Kiesgruben findet Pluschke jedoch nicht nur Bernstein. Auch fossile Zähne, versteinerte Hölzer, Muscheln, Korallen, Schwämme und Seeigel gehören zu seiner Sammlung. Fossile Pferdezähne entdeckte er beispielsweise im Kiesbett bei Gardelegen. Weitere Stücke stammen aus dem Kieswerk in Bühne.

Vom Strandfund zum festen Hobby

Seine Begeisterung begann bereits in der Kindheit an der Ostsee. Die Mutter stammt von der Küste, ihr Heimatort liegt sechs Kilometer vom Strand entfernt. Bei Urlaubsreisen nach Dänemark zeigte der Vater Pluschke und seiner Schwester, welche Steine sie suchen konnten. Später kamen Reisen nach Marokko hinzu, wo er im Atlasgebirge seine ersten Ammoniten fand. An einem Strand in Sri Lanka entdeckte er Steinkorallen.

2013 fuhr Pluschke erstmals als Betreuer in das Ferienlager Gager auf Rügen, das er inzwischen leitet. Weil die Kinder großes Interesse an den Steinen zeigten, nahm er ab 2014 eine kleine Sammlung mit. Er wollte den Kindern zeigen, was an der Ostsee zu finden ist, ihnen schöne Stücke schenken und sie für Fossilien begeistern. Dafür fuhr er sogar im Winter an die Küste, wenn Abbrüche neues Material freilegen.

Rund sechs Jahre vor dem Erscheinen des Berichts kam eine schwere Knieverletzung beim Fußball hinzu. Weil Pluschke diesem Hobby nicht mehr wie zuvor nachgehen konnte, wurde die Fossiliensuche intensiver. Seitdem fährt er gezielt nach Poel, Rügen, Fehmarn oder auf die dänische Insel Møn. Für die Suche in Kieswerken besorgte er sich Genehmigungen.

Suche mit Helm, Hammer und Meißel

Pluschke ist nach eigener Darstellung Woche für Woche unterwegs – an der See, in Kiesgruben oder auf Feldern. Seine Ausrüstung besteht aus einem Rucksack, Hammer und Meißel. Größere Feuer- oder Kalksteine kann er damit vor Ort aufschlagen oder in eine transportierbare Form bringen.

In einer aktiven Kreidemergelgrube in Hannover-Misburg trägt er Helm und Warnweste. Das dient dazu, auf dem Gelände sichtbar zu sein und vor herabfallendem Material zu schützen. Welche Funde möglich sind, hat sich der Sammler über Jahre mit Fachliteratur, Museumsbesuchen und eigener Erfahrung erarbeitet. Fossilien stecken laut Pluschke vor allem in Feuer-, Sand- und Kalksteinen.

Zu den besonderen Stücken seiner Sammlung zählen Donnerkeile, Hühnergötter – Feuersteine mit einem natürlich entstandenen Loch –, versteinerte Haifischzähne und Wirbel. Seeigel gehören für ihn zu den begehrtesten Fundstücken. Einige Exemplare von der Ostsee besitzen noch ihre Kalkschale. Das ist selten, weil der geringe Salzgehalt der Ostsee die Kalkschale auflösen kann.

Neue Funde tauscht oder verschenkt Pluschke teilweise an die Kinder im Feriencamp. Außerdem zeigt er seine Entdeckungen auf Instagram. Sein Account Altmark_Fossilien hat nach Angaben des Berichts mehr als 800 Follower.