Das Kinder- und Familienmuseum in Stendal feiert in diesen Tagen seinen 20. Geburtstag. Mehr als 130.000 Besucher hat die Einrichtung seit ihrer Gründung angezogen. Ihr Erfolgsrezept: Antike und römische Geschichte werden nicht nur erklärt, sondern können angefasst, ausprobiert und erlebt werden.
Das Museum gilt als eines der gelungensten Kindermuseen in Deutschland. Es gibt keine Glasvitrinen, die Kinder auf Abstand halten. Stattdessen ziehen sie römische Sandalen und Tuniken an, greifen zu Helm und Holzschwert und tauchen in eine Welt ein, die mit ihrem Alltag zunächst kaum etwas zu tun hat.
Römische Geschichte zum Mitmachen
Wer das Winckelmann-Museum betritt, kann zunächst die wissenschaftlich fundierte Ausstellung über das Leben des Stendaler Antike-Forschers Johann Joachim Winckelmann ansehen. Ein gläserner Gang führt jedoch auch in das Kindermuseum. Dort warten bunte Mosaiken, fremde Gerüche und Klänge aus längst vergangener Zeit.
Die Kinder können über sogenannte „Lava“ laufen, als Gladiatoren kämpfen und ihre Namen auf Ägyptisch und Griechisch schreiben. In einer nachgebauten römischen Küche erfahren sie zudem, wie sich die damaligen Lebensumstände angefühlt haben könnten. Ein Labyrinth-Garten, ein Ausgrabungsfeld für junge Archäologen und ein mobiles Museum gehören ebenfalls zum Angebot.
Eine besondere Rolle spielt das sinnliche Erleben. Besucher dürfen Gewürze riechen und Musikinstrumente ausprobieren. In einem kleinen Amphitheater verfolgen sie eine dramatische Szene aus der römischen Geschichte: Auf einer Leinwand ist ein Panorama von Pompeji zu sehen, während Lautsprecher den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus inszenieren.
Das Trojanische Pferd als Besuchermagnet
Zum weitläufigen Außengelände gehört ein 15 Meter hohes Trojanisches Pferd. Besucher können bis in den Kopf des Bauwerks steigen und die Umgebung von oben betrachten. Nach Angaben des MDR ist es das weltweit größte Trojanische Pferd. Die Winckelmann-Gesellschaft kaufte es mit Unterstützung der Kaschade-Stiftung Stendal.
Das Pferd ist längst nicht die einzige Attraktion. Viele Kinder feiern im Museum Geburtstag – verkleidet als Römer und mit antiken Speisen auf Terra Sigillata, einem besonders beliebten und teuren römischen Geschirr. Auch Erwachsene haben dort bereits ihre Geburtstage gefeiert.
Das Jubiläum wurde mit einem Fest gefeiert. Dafür engagierte Professor Max Kunze, der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, sogar fast echte Gladiatoren. Kunze hatte das Kindermuseum vor 20 Jahren ins Leben gerufen und aufgebaut. Sein Anspruch war, Kinder nicht lediglich in einem abgetrennten Bereich zu beschäftigen, während Erwachsene das eigentliche Museum besuchen.
„Die meisten Museen hätten in den letzten zwei Ausstellungsräumen etwas für Kinder aufgebaut. Das ist dann wie im Kaufhaus: Da können sie ihr Kind abgeben, und dann können die Eltern einkaufen. Das darf nicht sein.“
Besucher aus der Altmark und weit darüber hinaus
Mehr als die Hälfte der Gesamtbesucherzahl des Winckelmann-Museums entfällt inzwischen auf die Kinder, die seit der Eröffnung des Kindermuseums nach Stendal gekommen sind. Sie reisen nicht nur aus der Altmark an, sondern auch aus Braunschweig, Thüringen und anderen Regionen. Der Grund: Vergleichbare Angebote mit einem Schwerpunkt auf Antike und römischer Geschichte gibt es nach MDR-Einschätzung weit und breit kaum.
Zum Jubiläum stellte sich außerdem der künftige Leiter des Kindermuseums vor. Der 28-jährige Simon Gresser zog für die neue Aufgabe aus Aachen in die Altmark. Er übernimmt die Leitung einer Einrichtung, die das Museum in Stendal seit zwei Jahrzehnten um ein konsequent auf Kinder ausgerichtetes Erlebnisangebot ergänzt.
Das Winckelmann-Museum selbst widmet sich dem Leben und Werk Johann Joachim Winckelmanns, der von 1717 bis 1768 lebte und als Begründer der Klassischen Archäologie und der modernen Kunstwissenschaft gilt. Das Museum besteht seit 1955. Im Jahr 2000 übernahm die Winckelmann-Gesellschaft die Trägerschaft und erweiterte das Areal seither um angrenzende Gebäude und Flächen.