Das WC-Häuschen am Busbahnhof in Klötze ist seit vergangener Woche kaum wiederzuerkennen: Hortkinder haben die öffentliche Toilette während der Sommerferien neu gestaltet. Die farbenfrohen Motive ersetzen unerlaubte Schriftzüge und sollen verhindern, dass die Fassade erneut illegal besprüht wird.

Ausgangspunkt für das Projekt waren wiederkehrende Schmierereien, vor allem mit Fußballbezug. Die Stadt hatte deshalb angekündigt, das Gebäude offiziell bemalen zu lassen. Gute Erfahrungen mit solchen Aktionen gab es laut dem Bericht bereits in der Zusammenarbeit mit dem „Kunstitut“ des Altmarkkreises.

Von eigenen Entwürfen zur „Farbbaustelle“

Das Projekt wurde im Sommerferienhort gemeinsam mit dem Kunstitut umgesetzt. Die Kinder wurden von Projektleiterin Anne Buch und ihrem Team dazu angeregt, eigene Ideen zu entwickeln und sich künstlerisch auszuprobieren. Anschließend erfuhren sie auf der „Farbbaustelle“, wie Wandfarben selbst hergestellt werden können.

Die Mädchen und Jungen gestalteten insgesamt zwei Flächen: eine Wand auf dem Hof der Purnitz-Grundschule und das WC-Häuschen am Busbahnhof. Das Ergebnis ist nun eine deutlich sichtbar bunte Fassade, auch wenn die Gestaltung bei den wartenden Fahrgästen unterschiedliche Reaktionen auslöste.

„Hauptsache, die Fußball-Schmierereien sind weg“, sagte ein Klötzer beim Betrachten der Bilder.

Die meisten Betrachter hätten die Gestaltung als „Gewöhnungsbedürftig“ eingeschätzt. Unstrittig sei jedoch, dass das Gebäude nicht mehr grau wirke, sondern „kunterbunt-fröhlich“.

Stadt setzt auf legale Flächen

Mit der neuen Gestaltung verbindet die Verwaltung eine konkrete Hoffnung: Das WC-Häuschen soll nicht weiter illegal besprüht werden. Das Gebäude wurde dem Bericht zufolge vor genau zehn Jahren am Busbahnhof aufgestellt und eröffnet. Wiederholt seien dort vor allem FCM-Bekundungen sowie Beschimpfungen gegen Polizisten aufgetaucht.

Die Aktion ist Teil eines größeren Ansatzes der Klötzer Stadtverwaltung. Wegen zunehmender illegal besprühter Flächen in der Innenstadt wurden verschiedene Projekte angeregt, bei denen Kinder und Jugendliche legale Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Bei früheren Graffiti-Workshops entstanden unter anderem Motive auf Trafo-Kästen im Kuseyer Ortsteil Köbbelitz sowie auf den beiden Graffiti-Tafeln an der Skaterbahn.

Nach Einschätzung der Stadt haben solche Projekte zwei Vorteile: Professionell gestaltete Flächen würden von anderen Sprayern häufig nicht erneut bearbeitet, außerdem seien die Kosten geringer. Die Verwaltung wolle zudem verstärkt mit Jugendlichen zusammenarbeiten. Ob das neu bemalte WC-Häuschen dauerhaft von weiteren Schmierereien verschont bleibt, soll sich nun im Alltag zeigen.