Im Offenen Kanal Stendal können Bürger ihr eigenes Fernsehen produzieren – kostenlos, ohne Werbung und mit Unterstützung bei Kamera, Ton und Schnitt. Rund 30 Menschen nutzen das Angebot regelmäßig oder gelegentlich. Damit ist der Sender nicht nur eine Plattform für lokale Beiträge, sondern auch ein Ort, an dem Medienkompetenz vermittelt und Begegnung ermöglicht wird.
Der Offene Kanal Stendal besteht nach Angaben des MDR seit 1999. Die Grundidee der Offenen Kanäle in Sachsen-Anhalt lautet: Fernsehen von Bürgern für Bürger. Insgesamt gibt es im Land sieben solcher Plattformen. Jeder darf eigene Beiträge produzieren und ausstrahlen; die Angebote sind unzensiert und kostenfrei. Gefördert werden die Bürgersender durch die Medienanstalt Sachsen-Anhalt.
Technik und Studios stehen Bürgern offen
Franziska Bredow leitet den Offenen Kanal Stendal. Sie beschreibt das Angebot nicht als gewöhnlichen Fernsehsender, sondern als Möglichkeit, selbst Inhalte zu gestalten. Bürger können sich Technik ausleihen und eigene Beiträge umsetzen. Dabei lernen sie, wie eine Kamera geführt wird, wie Ton aufgenommen wird und wie der fertige Film geschnitten wird.
„Das Besondere eines Offenen Kanals ist, dass es nicht nur ein Fernsehsender für Menschen ist – sondern mit Menschen“, sagt Franziska Bredow.
Die kostenfreie Ausstattung nutzen unterschiedliche Menschen für unterschiedliche Themen. Heiko Wolff benötigte eine Kamera für einen Bericht über die Pferdebahn in Stendal. Im Sender stehen Bürgern neben der Technik auch Studios zur Verfügung. Bredow versteht den Offenen Kanal deshalb als Ort der Begegnung: Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen kommen dort zusammen und arbeiten an eigenen Projekten.
Von der Kreistagssitzung bis zum Reisebericht
Die Themen reichen laut MDR von politischen Inhalten bis zu Kultur und Alltag. Paplo Moll absolviert im Offenen Kanal ein sechsmonatiges Praktikum und möchte Mediengestalter werden. Gemeinsam mit Bredow schneidet er unter anderem die Aufzeichnung der Kreistagssitzung aus der Vorwoche.
Für Moll liegt der Reiz in der großen Bandbreite des Programms.
„Das ist mal ein Reisebericht, dann ist es ein Blasorchester, dann plötzlich eine politische Lesung. Das Programm spiegelt viele Schichten von verschiedenen Personen und Interessenbereiche wider.“
Für die Beiträge gelten jedoch Regeln. Werbung ist nicht erlaubt, das gilt auch für Wahlwerbung. Einnahmen erzielt der Sender ebenfalls nicht. Finanziert werden die Offenen Kanäle laut MDR zu einem großen Teil über den Rundfunkbeitrag, Zuschüsse oder Spenden.
Beitrag zu Meinungsvielfalt und Demokratie
Der Offene Kanal Stendal gehört damit zu einer landesweiten Struktur, die Bürgern Zugang zu Produktionstechnik und eigener Veröffentlichung ermöglicht. Die Sender gelten als Orte für Medienkompetenz und gelebte Meinungsfreiheit. Ihr Anspruch reicht dabei über einzelne Filmprojekte hinaus: Die Offenen Kanäle in Sachsen-Anhalt wollen Sprachrohr der Bürger sein und ein Baustein für lebendige Demokratie vor Ort bleiben.