Ein dreimaliger Europapokalsieger als Gast, Geschichten aus der großen Zeit des FC Bayern München und eine bittere Verletzung zum Abschluss: Rainer Zobel hat in der vergangenen Woche den FC Jübar/Bornsen besucht. Der 77-jährige frühere Bayern-Spieler sprach mit Vereinsvertretern über seine Karriere und leitete anschließend eine Trainingseinheit beim Kreisoberligisten.
Für den Verein aus Jübar im Altmark-Umfeld war der Besuch eine besondere Gelegenheit. Zobel nahm sich zunächst mehr als eine Stunde Zeit, um bei Kaffee und Kuchen mit den Mitgliedern über frühere Zeiten zu plaudern. Danach wechselte er auf den Platz und arbeitete mit der Herrenmannschaft.
Wie der Kontakt zum früheren Bayern-Spieler entstand
Den Kontakt stellte Ursula Heymann her. Die Frau des langjährigen Vorstandsmitglieds Hans-Heinrich Heymann hatte Zobel bei einer Reha kennengelernt. Aus dieser Begegnung entwickelten sich der vereinbarte Besuch und das Training beim FC Jübar/Bornsen.
Für Trainer Marco Siebenmorgen waren die Übungen zwar nichts Neues. Die Sprüche des ehemaligen Profis lockerten das Training aber auf. „Es hat allen Beteiligten Spaß gemacht, doch leider ist beim Abschlussspiel ein Spieler umgeknickt und hat sich den Knöchel gebrochen“, berichtete der FC-Coach laut dem Bericht. Siebenmorgen muss nun mit fünf verletzten Stammspielern in die Saison gehen. Zobel wünschte der Mannschaft dennoch eine erfolgreiche Spielzeit und versprach, wiederzukommen.
180 Bundesliga-Spiele für den FC Bayern
Rainer Zobel wurde in Wrestedt geboren und begann in Wrestedt, Bad Zwischenahn und Uelzen mit dem Fußballspielen. Über die Jugend-Nationalmannschaft kam er zu Hannover 96. 1968 gab er sein Bundesliga-Debüt, zwei Jahre später wechselte er zum FC Bayern München. Dort bestritt er 180 Bundesliga-Spiele, 39 internationale Duelle und 32 Pokalbegegnungen.
Mit den Münchnern gewann Zobel drei deutsche Meisterschaften, einmal den DFB-Pokal und dreimal den Europapokal der Landesmeister. In der Mannschaft der Beckenbauer-Ära spielte er gemeinsam mit Größen wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier.
Seinen ersten Europapokalsieg feierte Zobel 1974 gegen Atlético Madrid. Im Brüsseler Heysel-Stadion erzielte Georg Schwarzenbeck in der 119. Minute der Verlängerung den Ausgleich zum 1:1. Zwei Tage später gewann Bayern das Wiederholungsspiel mit 4:0; Uli Hoeneß und Gerd Müller trafen jeweils zweimal. Bei der Siegerehrung war Zobel der erste Bayern-Spieler, der den Pokal auf den Kopf setzte.
„Eigentlich eine Unverschämtheit“, erinnerte sich Zobel an diese Szene. Fünf Jahrzehnte später wurde er bei einer Jubiläumsveranstaltung in München nachträglich zum „Man of the Match“ dieses Spiels geehrt. Es sei sein bestes Spiel für Bayern gewesen, sagte der frühere Mittelfeldspieler.
Erinnerungen an Dynamo Dresden und den 1. FC Magdeburg
Im Gespräch blickte Zobel auch auf die deutsch-deutschen Europapokalduelle seiner Bayern zurück. Gegen Dynamo Dresden setzte sich München mit 4:3 und 3:3 durch, gegen den 1. FC Magdeburg mit 3:2 und 2:1. Beim Rückspiel gegen Magdeburg habe die Stasi versucht, die Bayern in der Kabine abzuhören. Die Mannschaft sei darauf vorbereitet gewesen: „Die konnten uns nicht abhören, wir hatten alles zuvor im Bus besprochen.“
Zobel berichtete außerdem, dass er nie ein A-Länderspiel für die Bundesrepublik Deutschland bestritt. Während seiner Zeit bei Bayern holte er sein Abitur nach und verzichtete deshalb auf die Vorbereitung mit der Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 1974.
Nach seiner aktiven Laufbahn wurde Zobel Trainer. Mit den Stuttgarter Kickers stieg er 1991 in die Bundesliga auf. Mit Al Ahly Kairo gewann er von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander die ägyptische Meisterschaft. Auch im hohen Alter wird er nach eigenen Angaben in Ägypten noch erkannt.
Der Besuch beim FC Jübar/Bornsen verband damit große Fußballgeschichte mit dem Alltag eines Kreisoberligisten. Für die Mannschaft endet der Termin allerdings mit einer zusätzlichen sportlichen Belastung: Nach dem Knöchelbruch stehen dem Trainer fünf verletzte Stammspieler zur Verfügung.