Am Rand des Seehäuser Ortsteils Schönberg könnte auf rund 20 Hektar ein großer Solarpark entstehen. Bayerische Investoren aus München planen eine Freiflächen-Photovoltaikanlage, die nach den vorliegenden Angaben jährlich 21 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und damit mehr als 6000 Haushalte versorgen könnte. Der Seehäuser Stadtrat befasst sich in diesem Monat erneut mit dem Vorhaben.

Für die Hansestadt Seehausen steht neben dem Ausbau erneuerbarer Energien auch ein erheblicher finanzieller Vorteil im Raum: Über die geplante Laufzeit von mindestens 30 Jahren soll die Gewerbesteuer im siebenstelligen Bereich liegen. Nach dem vorgesehenen Betriebsmodell würden mindestens 90 Prozent der Gewerbesteuer direkt in der Standortkommune anfallen.

Landwirtschaftsamt sieht den Standort kritisch

Das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Altmark bewertet die Planung dennoch kritisch. Bei der vorgesehenen Fläche handelt es sich demnach um 19 Hektar Ackerland mit mittlerer bis guter Ertragsfähigkeit. Außerdem ist das Gelände im Flächennutzungsplan bislang als Landwirtschaftsfläche ausgewiesen.

Nach Einschätzung der Behörde fehlt eine ausreichende Begründung dafür, warum gerade diese Landwirtschaftsfläche für eine Photovoltaikanlage genutzt werden soll. Das Amt fordert deshalb eine Prüfung möglicher Alternativstandorte in einem übergreifenden räumlichen Konzept. Die entsprechende Stellungnahme ist in einer Abwägungstabelle zur Planung festgehalten.

Private und kommunale Grundstücke betroffen

Die Flächen für den Solarpark befinden sich sowohl in Privateigentum als auch im Eigentum der Gemeinde. Damit könnten neben den Grundstückseigentümern auch die Hansestadt Seehausen und ihre Einwohner wirtschaftlich von dem Projekt profitieren. Zugleich geht es um die Frage, ob landwirtschaftlich genutzte Flächen dauerhaft für die Energiegewinnung umgewidmet werden sollen.

Die Planer begründen das Vorhaben mit einer klimafreundlichen Stromerzeugung auf Acker- und intensiv beweidetem Grünland. Die Landwirtschaft solle dabei nicht wesentlich beeinträchtigt werden. In den Planungsunterlagen wird der Beitrag zur Energieversorgungssicherheit als weiterer Grund für die Nutzung der Solarenergie genannt.

Stadtrat hat das letzte Wort

Die endgültige Entscheidung über die Freiflächenanlage liegt beim Seehäuser Stadtrat. Das Gremium beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Solarpark an der Peripherie von Schönberg und hat das Thema nun erneut auf die Tagesordnung gesetzt.

In der Altmark gibt es zugleich Widerstand gegen besonders große Solarprojekte. Der Gemeinderat Altmärkische Wische lehnte vor einigen Monaten ein nach seiner Einschätzung überdimensioniertes Vorhaben ab. Als Gründe wurden der Verlust wertvoller landwirtschaftlicher Nutzfläche und mögliche Schäden an der Natur genannt. Für Schönberg ist damit offen, wie der Stadtrat die wirtschaftlichen Chancen, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Einwände gegen den Flächenverbrauch abwägt.