Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. 65 Jahre später erinnern sich zwei Menschen aus der Altmark an diesen Tag: Hubert Götz erlebte die Nachricht als junger Mann im Urlaub auf Rügen, Willi Hamann war als zehnjähriger Junge mit seiner Familie regelmäßig in Westberlin. Ihre Erinnerungen zeigen, wie unterschiedlich der Beginn der deutschen Teilung wahrgenommen wurde.
Die Berliner Mauer trennte Ost- und Westberlin. Die DDR-Machthaber begannen am 13. August mit dem Bau einer etwa 43 Kilometer langen innerstädtischen Betonmauer. Die Sperranlagen an der gesamten innerdeutschen Grenze wurden danach weiter ausgebaut. Bis zum Fall der Mauer am 9. November 1989 starben laut dem Bericht mindestens 136 Menschen bei Fluchtversuchen.
Hubert Götz: Urlaub auf Rügen statt Flucht in den Westen
Hubert Götz, Jahrgang 1938, befand sich am 13. August 1961 mit seiner künftigen Ehefrau und drei Freunden auf dem Campingplatz Altefähr auf Rügen. Er war damals 23 Jahre alt. Einer der Freunde habe lediglich mitgeteilt, dass in Berlin eine Mauer gebaut werde. Für Götz blieb es zunächst bei dieser Nachricht.
„Wir haben unsere Liebe gelebt und Urlaub gemacht. Ich bin so viel herumgezogen durch Flucht und Krieg. Ich war endlich mal angekommen, für mich war der Westen keine Option.“
Götz war als Kind aus Pommern, dem heutigen Polen, geflohen. Eine Flucht sei wegen des Kriegsgeschehens abgebrochen worden. Später habe die Familie zunächst in einer sicheren Unterkunft nahe ihrem Wohnort gelebt und sei 1947 endgültig ausgesiedelt worden. Über Görlitz kam sie nach Geestgottberg in der heutigen Verbandsgemeinde Seehausen. Die Nachricht vom Mauerbau habe ihn deshalb kaum berührt, sagte Götz, weil er ohnehin nie in Westberlin gewesen sei. Der heute 88-Jährige lebt inzwischen in der Prignitz und war früher Altmärker.
Willi Hamann sah den Ausbau der Grenze
Willi Hamann, Jahrgang 1951, wuchs in Flensburg auf und hatte mit seiner Familie zuvor vergleichsweise häufig Verwandte in Westberlin besucht. Als die Mauer gebaut wurde, änderte sich seine Sicht auf die Grenze grundlegend. Er beobachtete später, wie die Sperranlagen immer weiter zunahmen. Dazu gehörten nach seiner Erinnerung Panzersperren am Potsdamer Platz und ein hölzerner Wachturm an der Mauer.
Nach der politischen Wende fand Hamann in der Hansestadt Seehausen ein neues Zuhause. Der Finanzfachmann arbeitete dort bis zum Ruhestand in leitender Stellung und engagierte sich über Jahrzehnte ehrenamtlich in der Kommunalpolitik. Er war Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Wische. Heute ist der 75-Jährige weiterhin im Seehäuser Stadtrat und im Verbandsgemeinderat Seehausen aktiv; im Verbandsgemeinderat ist er Vorsitzender.
Hamann sorgt sich, dass jüngere Menschen die Geschichte der deutschen Teilung vergessen könnten. Mit Blick auf die politische Erinnerungskultur äußert er sich kritisch zur Partei Die Linke und ihrer historischen Einordnung.
„Die haben ihr eigenes Volk 40 Jahre bewacht.“
In der Region erinnert unter anderem die Gedenkstätte in Stresow bei Aulosen an die Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze. Der Jahrestag lenkt damit nicht nur den Blick auf Berlin, sondern auch auf die Erfahrungen der Menschen in der Altmark und im früheren Grenzgebiet.