Für Celina Baumann steht fest: Ein Umzug nach Niedersachsen kommt für sie derzeit nicht infrage. Die 20-Jährige aus Klötze hat im August ihre Ausbildung zur Erzieherin in Wolfsburg begonnen und pendelt täglich dorthin. Trotzdem möchte sie in ihrer Heimatstadt wohnen bleiben – möglichst auch dann, wenn sie in zwei Jahren ihre Ausbildung beendet.

„Ich würde gern weiter hier in der Region leben“, sagt Baumann. Zuvor hatte sie in Wolfsburg bereits zwei Jahre lang eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin absolviert. Für sie ist die Entfernung zwischen Klötze und Wolfsburg dennoch kein ausreichender Grund, die Altmark zu verlassen. „Ich möchte hier nicht weg.“

Familie, Vereine und Zusammenhalt halten sie in Klötze

In Klötze hat die junge Frau ihr persönliches Umfeld: Familie, Freundeskreis und ihre Hobbys im Handball und Karneval. „Hier ist meine Familie, sind meine Freunde. Warum sollte ich weg?“, erklärt sie. Besonders schätzt sie, dass die Menschen in der Region einander kennen und unterstützen.

„Man hat hier alles“, findet Baumann. Wer etwas brauche, wisse, wen er fragen könne. Auch Menschen, die neu in ein Dorf ziehen und sich integrieren, würden aus ihrer Sicht schnell angenommen. Die Kehrseite: Wer sich nicht einbringt, könne im Ort auch schnell alleinstehen.

Das Gemeinschaftsgefühl erlebt sie im Alltag immer wieder. Bei Dorffesten packten viele mit an und nähmen dafür andere Termine nicht wahr. Außerhalb der Altmark stoße diese Verbundenheit jedoch nicht immer auf Verständnis. In Wolfsburg musste Baumann nach eigenen Angaben sogar erklären, wo die Altmark liegt. Die Frage, ob es dort Supermärkte gebe, habe sie irritiert.

Was Celina Baumann in der Altmark vermisst

Ganz ohne Kritik blickt die 20-Jährige dennoch nicht auf ihre Heimat. In Klötze fehle ein Treffpunkt, an dem man sich einfach auf einen Kaffee oder ein Getränk verabreden könne. „Aber es fehlt ein Treffpunkt, wie ein Café oder eine Bar“, sagt sie. Wer sich nicht zum Essen treffen wolle, habe bis auf den Citytreff kaum Möglichkeiten.

Für Treffen mit Freunden fährt Baumann deshalb nach Salzwedel oder Gardelegen. Das bedeute allerdings zusätzlichen Aufwand und sei meist nur mit dem Auto praktikabel. Ansonsten bleibe häufig das eigene Zuhause als Treffpunkt.

Auch beim öffentlichen Verkehr sieht sie Verbesserungsbedarf. Von Klötze-Nord, wo sie wohnt, fahre beispielsweise nur jeder zweite Bus bis Wolfsburg durch. Bei der Rückfahrt fühle sie sich mit dem Pkw unabhängiger von Abfahrtszeiten. Zwar seien auch Salzwedel, Wolfsburg und Magdeburg mit dem Auto in überschaubarer Zeit erreichbar, doch für Urlaubsfahrten mit Bus und Bahn sei das Angebot aus ihrer Sicht schwierig. Hinzu kämen die Kosten des Deutschlandtickets: „Das Deutschland-Ticket ist zu teuer. Die 70 Euro muss man erst mal verfahren“, sagt Baumann, wenn man den öffentlichen Nahverkehr nur selten nutze.

Mehr Geld für Schulen, Kitas und Krankenhäuser

Von der Politik wünscht sich die Klötzerin in den kommenden Jahren mutigere Entscheidungen. Geld solle in wichtige Bereiche wie Schulen, Kitas und Krankenhäuser fließen. „Bei vielem ist Sachsen-Anhalt hinterher, nicht modern genug“, sagt sie mit Blick auf die Digitalisierung.

Ihre Einschätzung stützt sie auch auf die täglichen Vergleiche mit Wolfsburg. Dort werde in Kitas mit Tablets gearbeitet und die Zeiterfassung digital erledigt. In der Altmark nehme sie dagegen mehr Bürokratie und eine größere Zurückhaltung gegenüber neuen Lösungen wahr. Das Land müsse mehr ausprobieren und sich erfolgreiche Ansätze aus anderen Bundesländern ansehen.

Besonders beschäftigt Baumann die medizinische Versorgung in der Region. „Um die Krankenhäuser in Salzwedel und Gardelegen zu erhalten, müsste die Politik mehr tun“, fordert sie. Die Schließung der Kinderstation in Gardelegen betrachtet sie mit Sorge.

Trotz dieser Wünsche überwiegt für sie das Positive. Sie mag die Ruhe, die Landschaft und die vielen Seen der Altmark. „Die Leute“ seien das Schönste an der Region: Man lerne schnell Menschen kennen, sie seien offen, und wer sich beteilige, könne viel mitgestalten.

Ein achtwöchiges Auslandssemester, das im Rahmen ihrer Ausbildung möglich ist, hat Baumann bereits eingeplant. Sie habe sich dafür angemeldet – auch, „um mal rauszukommen“. Ein dauerhafter Wegzug bleibt für sie aber unwahrscheinlich. „Nein, ich glaube nicht, dass ich mal aus Klötze wegziehen werde. Höchstens der Liebe wegen“, sagt sie.

In zehn Jahren sieht sich Baumann weiterhin in der Region – möglicherweise mit Haus, Garten, Kindern und Partner. Beruflich kann sie sich eine Tätigkeit als Erzieherin oder eine Selbstständigkeit als Tagesmutter vorstellen. Und auch dann möchte sie in Klötze aktiv bleiben: „Auch wenn Klötze nicht so groß ist, hast du hier alles.“