Die Elbe soll nach den Plänen von Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) an 345 Tagen im Jahr eine Fahrrinnentiefe von 1,40 Metern erreichen. Dafür sind bauliche Maßnahmen vorgesehen. In der Altmark und im benachbarten Prignitz-Gebiet liegen laut einem Bericht der AZ Altmark Stendal bereits Baumaterialien am großen Strom.
Naturfreunde und Wasserwanderer sehen den Vorhaben kritisch. Dirk Bollmann, ein gebürtiger Tangermünder, der heute im westaltmärkischen Klötze lebt, warnt insbesondere vor Staustufen. Seine Einschätzung: Eine Elbe, die fast das ganze Jahr als Wasserstraße genutzt werden könne, lasse sich unter den genannten Bedingungen nur durch Eingriffe in den Fluss erreichen.
Warnung vor Folgen für den Fluss
Bollmann ist an der Elbe aufgewachsen und nach eigenen Angaben noch mit der Zeit vertraut, in der er den Fluss als stinkenden und vergifteten Abwasserkanal erleben musste. Auch unterhalb von Havelberg in Richtung Wittenberge sei er früher beim Paddeln vom damaligen Wasserschutz argwöhnisch beobachtet worden.
Umso größer sei seine Freude darüber, dass sich die Elbe in den vergangenen Jahren erholt habe. Der Fluss, der teilweise durch die Verbandsgemeinde Seehausen fließt, sei wieder in einen Zustand gebracht worden, in dem Menschen baden könnten und Fische wie Lachs und Stör einen Lebensraum fänden.
„Desto mehr habe ich mich über die letzten Jahre gefreut, in denen dieser Fluss, der teils auch durch die Verbandsgemeinde Seehausen fließt, wieder zu dem geworden ist, was er heute ist. Es hat mit Sicherheit viele Anstrengungen gekostet, diesen Strom wieder in einen Zustand zurückzubringen, in dem die Menschen baden können und Fische wie der Stör oder Lachs einen Lebensraum finden. In Anbetracht dessen, wie schlecht es um viele Gewässer in unserem Land bestellt ist, sollte man sich einmal vor Augen führen, ob es wert ist, all das dem Profit zu opfern“, meint der Altmärker.
Der Wasserwanderer befürchtet, dass Staustufen für Aal, Lachs und Stör einem Todesurteil gleichkämen. Als weitere problematische Eingriffe nennt er Eindeichungen, Flussvertiefungen, Verbauungen, Buhnen und zugeschotterte Ufer. Diese hätten nach seiner Einschätzung Ökosysteme zerstört, Auwälder absterben lassen und zum Verschwinden von Tierarten beigetragen. Durch die Veränderung der Fließgeschwindigkeit könne außerdem Bodenerosion entstehen; der Grundwasserspiegel sinke infolge der Flussvertiefungen.
Alternativen zum Ausbau
Bollmann stellt die wirtschaftliche Begründung des Elbausbaus infrage. Wenn von einer Bundeswasserstraße, Bodenerosion und wirtschaftlicher Notwendigkeit die Rede sei, bedeute das aus seiner Sicht letztlich den Bau von Staustufen.
Gegen Schiffsverkehr auf der Elbe wendet sich der Naturfreund nach dem Bericht nicht grundsätzlich. Er schlägt jedoch vor, Schiffe ihrem natürlichen Tiefgang anzupassen und Transporte stärker auf die Schiene zu verlagern. Die Elbe sei Deutschlands letzter und einziger Fluss, der bislang von einer solchen Entwicklung verschont geblieben sei. Eine Lobby habe sie zwar nicht, viele Gleichgesinnte aber schon, ist Bollmann überzeugt.