Wenn Swen Zunker ruft, kommt Luna: Der 14-jährige Harris Hawk folgt dem Gardelegener Falkner im freien Flug und bleibt dabei höchstens etwa 20 Meter vor oder hinter ihm. Seit zwei Jahren leben der Wüstenbussard, außerdem ein weiterer Greifvogel und ein Steinkauz bei Zunker. Die enge Beziehung zwischen Mensch und Vogel ist das Ergebnis einer intensiven Ausbildung und täglicher Arbeit.

Bei einem Besuch reagiert Luna zunächst mit lautem Gemecker. Ruhiger wird sie, als Zunker den Harris Hawk auf seinen Falknerhandschuh nimmt. Der 55-Jährige beschreibt die Bindung zwischen sich und dem Vogel als besonders eng. Für Luna sei er gewissermaßen ihr Terzel, also ihr „Ehemann“, erklärt der Falkner.

Vom Kurs zum eigenen Greifvogel

Zunker begann vor drei Jahren mit der Falknerei. 2023 machte der Gardelegener seinen Falknerschein, nachdem ihn ein befreundeter Jäger auf die Möglichkeit eines Kurses angesprochen hatte. Im Juli besuchte er auf Rügen eine Falknerschau mit Volker Walter. Nach einem Gespräch stand für ihn fest, dass er selbst Falkner werden wollte.

Ein Kurs nahe Schönebeck begann kurz darauf. Die Teilnahme wurde ihm allerdings erst zwei Tage vor dem Start bestätigt. Die Ausbildungstage waren lang, denn als Falkner gebe es viel zu beachten. Den Schein bestand Zunker, doch zunächst handelte es sich vor allem um theoretisches Wissen. Für die praktischen Grundlagen suchte er sich anschließend einen erfahrenen Falkner.

Auch heute lerne er jeden Tag weiter und besuche regelmäßig Kurse bei Falknermeistern, berichtet Zunker. Nach seiner Ausbildung kümmerte er sich zunächst um Vögel anderer Falkner. Diese Tiere blieben jeweils nur zwei bis drei Wochen bei ihm, bevor sie zurückgegeben wurden. Mehrere Monate lebte außerdem ein Harris Hawk namens Hawk bei ihm. Danach kam Luna.

Luna kam aus Spanien nach Gardelegen

Luna lebte ursprünglich in Spanien. Nachdem ihr Falkner gestorben war, suchte eine Tierschutzorganisation über den Falknerverband nach einem neuen Halter. Zunker bekundete Interesse. Die Organisation übernahm den umfangreichen Papierkram; zwei Wochen später musste nur noch der Transport nach Deutschland organisiert werden.

Von Frankfurt am Main wurde Luna zunächst zu einem Falkner in Haldensleben gebracht. Dort vertrug sie sich laut Zunker nicht gut mit den anderen Greifvögeln. Schließlich nahm er sie zu sich nach Gardelegen. Bis Luna an ihren neuen Falkner gewöhnt war und von ihm abgetragen wurde, dauerte es eine Weile. Danach begann das Training der sogenannten freien Folge.

Dabei fliegt Luna ohne Leine und folgt Zunker, wenn er ruft. Entscheidend sei nicht ihr Name, sondern seine Stimme und die Verbindung zwischen Falkner und Greifvogel. Zur Sicherheit trägt Luna dennoch einen GPS-Sender. Weggeflogen sei sie bisher noch nie, obwohl sie dazu in der Lage wäre.

Beizsaison beginnt im September

Mit Luna geht Zunker gelegentlich auch beizen, also auf die Jagd. Dafür braucht er die Erlaubnis des jeweiligen Revierpächters. Der Harris Hawk jagt besonders gern Wildenten, ist aber auch auf Fasane und Rebhühner ausgebildet. Die Beizsaison beginnt im September und dauert ungefähr bis März. Von März bis etwa September folgt die Mauserzeit, die nun langsam endet.

Bei der Jagd arbeitet das Paar zusammen: Zunker stöbert und treibt, Luna fängt die Beute. Der Wüstenbussard wurde außerdem für Krähen und wilde Tauben ausgebildet, um diese zu vergrämen. Auch Amy, die seit Mai 2026 bei Zunker lebt, soll für die Krähenvergrämung ausgebildet werden.

Die Ausbildung beginnt mit dem sogenannten Atzen, also dem Füttern vom Falknerhandschuh. Amy soll dabei lernen, dass der Handschuh etwas Positives bedeutet und später gern darauf landet. Neben Luna und Amy lebt noch der Steinkauz Fussel bei Zunker und beobachtet das Geschehen neugierig.

Die Falknerei bestimmt den Alltag des Gardelegeners. Lange Urlaubsreisen seien nicht mehr möglich. Wenn er mit seiner Frau für einige Tage verreise und ein anderer Falkner die Tiere betreue, kontrolliere er über Kameras, wie es Luna, Amy und Fussel gehe. Mit den Vögeln verbringe er viel Zeit – und bei Luna habe er das Glück, dass sie diese Nähe ebenfalls suche.