Der jüdische Friedhof in Stendal ist Anfang Oktober beschädigt worden. Zwei Grabsteine wurden von ihren Sockeln gekippt, außerdem sind Teile der Friedhofsmauer betroffen. Die Polizei ermittelt und versucht zu klären, wer für die Tat verantwortlich ist.
Nach Angaben der Polizei, die den Vorfall gegenüber dem MDR bestätigte, ist derzeit noch unklar, wer die Schäden verursacht hat. Die Ermittler prüfen zudem, ob weitere beschädigte Gräber ebenfalls auf die aktuelle Tat zurückgehen.
Geschichtswerkstatt spricht von zehn geschändeten Gräbern
Die Stendaler Geschichtswerkstatt geht von insgesamt zehn geschändeten Gräbern aus. Eine Sprecherin bezeichnete den Friedhof als einen Ort des Gedenkens, der durch die Beschädigungen zu einem Tatort geworden sei.
„Guten Ort“
Mit diesem Ausdruck wird der jüdische Friedhof traditionell als Ort der Ruhe und des Gedenkens bezeichnet. Die Geschichtswerkstatt bittet um Spenden, damit die betroffenen Gräber wieder instand gesetzt werden können.
Auf dem Friedhof befinden sich knapp 90 Grabstätten. Die Namen der Bestatteten sind fast alle bekannt. Zu den Gräbern gehören auch 22 Kindergräber. Die letzte Bestattung fand 1940 statt.
Friedhof wurde nach Jahrzehnten wiederhergerichtet
Während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit verfiel der Friedhof. Im Jahr 1970 wurde er durch Spenden des Superintendenten und eine Aktion der evangelischen Gemeinde wiederhergerichtet. Die Geschichtswerkstatt widmet sich heute der Erinnerungskultur in Stendal.
Die aktuellen Schäden stehen nach Angaben des MDR in einem größeren Zusammenhang: Beschädigungen jüdischer Gräber sind demnach keine Einzelfälle. In Köthen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wurden 2022 und 2023 mehr als 50 Grabstätten beschädigt. Damals ermittelte der Staatsschutz wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung.
Spenden für die Wiederherstellung
Für die Reparatur der geschändeten Gräber bittet die Geschichtswerkstatt Stendal um Unterstützung. Wie umfangreich die Schäden insgesamt sind und ob weitere Grabstellen betroffen sind, soll im Zuge der laufenden polizeilichen Prüfung geklärt werden.
Die Geschichtswerkstatt war zuletzt auch im Zusammenhang mit der Erinnerung an jüdisches Leben in Stendal aktiv. Im November 2025 berichtete der MDR über die Verlegung von drei neuen Stolpersteinen in der Hansestadt.