In den kommunalen Wohnungen der Einheitsgemeinde Kalbe hat sich der Leerstand innerhalb weniger Monate deutlich verringert. Nach Angaben von Immobilienverwalter Tino Fritsch standen bei der Übernahme durch die Immobilienverwaltung NPA im Januar 2026 noch 39 Prozent der Wohnungen leer. Aktuell liegt der Anteil demnach bei 13 Prozent. In jeweils einem Wohnblock in Kalbe und Winterfeld sind inzwischen alle Wohnungen vermietet.
Fritsch stellte den Mitgliedern des Bauausschusses einen Überblick über den Zustand des kommunalen Wohnungsbestandes vor. Seit Januar verwaltet die von ihm geführte NPA sämtliche kommunalen Wohnungen und Gebäude der Einheitsgemeinde. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung wurden bereits mehrere kleinere und mittlere Instandhaltungsarbeiten erledigt.
Erste Reparaturen sind bereits erledigt
Zu den kurzfristig notwendigen Arbeiten gehörten erneuerte Treppen, Fassadenarbeiten wegen Schimmel sowie der Austausch von Boilern und Wasserfiltern. Diese Maßnahmen mussten nach Angaben des Verwalters unmittelbar umgesetzt werden, damit die Wohnungen weiter genutzt beziehungsweise vermietet werden konnten.
Am Petersberg in Kalbe sieht Fritsch dennoch den größten Investitions- und Sanierungsbedarf im kommunalen Bestand. An einem Wohnblock an der Straße der Freundschaft hatten sich Mieter über mangelhafte Dachrinnen beschwert. Für deren Erneuerung liegt laut dem Verwalter bereits ein Angebot über rund 27.000 Euro vor.
Außerdem hält Fritsch den Austausch der Wohnungseingangstüren in diesem Gebäudekomplex für sinnvoll. Betroffen wären 18 Türen. Eine konkrete Kostenschätzung gibt es dafür bislang nicht, weil zunächst geklärt werden müsse, ob die Maßnahme gewünscht und umgesetzt werden soll.
Weitere Hinweise kamen aus den Häusern an der Straße der Einheit 15 bis 19. Mehrere Mieter meldeten dort Feuchtigkeit in ihren Wohnungen. Die Ursache müsse noch untersucht werden. Auch in Kakerbeck sieht die Hausverwaltung Handlungsbedarf: Dort sollen die Schornsteinköpfe erneuert werden. Zusätzlich regte Fritsch an, die Gasthermen in den einzelnen Wohnungen durch eine Zentralheizung zu ersetzen.
Bei manchen Wohnungen reichen Renovierungen nicht
Nach Einschätzung des Verwalters gibt es mehrere Wohnungen, die mit größeren Investitionen saniert werden müssten. Einfaches Streichen reiche dort nicht aus. Als mögliche Arbeiten nannte Fritsch den Austausch von Heizkörpern, gegebenenfalls der Therme sowie die Erneuerung des Fußbodens. Die Kosten schätzte er auf etwa 10.000 Euro je Wohnung.
Der Ausschussvorsitzende Heiko Gabriel unterstrich, dass Stadtrat und Verwaltung einen verlässlichen Überblick über den Investitionsbedarf benötigen. Nur so könne strategisch entschieden werden, wie es mit den kommunalen Mietwohnungen weitergeht. Die Frage ist auch deshalb aktuell, weil im Herbst die Haushaltsplanung für das kommende Jahr beginnt.
Für diese Planung benötigt die Stadt laut dem Bericht Transparenz über den Zustand der Gebäude sowie über Einnahmen und Ausgaben. Eine vollständige Übersicht konnte Fritsch in der Sitzung jedoch noch nicht vorlegen. Dafür müssten zunächst sämtliche Gebäude erfasst, ihr tatsächlicher Zustand bewertet und Angebote von Fachfirmen eingeholt werden. Dieser Prozess werde Zeit benötigen.
Nachfrage und Miethöhe waren ebenfalls Thema
Der Rückgang des Leerstands zeigt sich besonders deutlich bei zwei Wohnblöcken. In einem Gebäude in Kalbe und einem in Winterfeld lag der Leerstand bei der Übernahme im Januar noch bei 30 Prozent. Inzwischen sind dort alle Wohnungen vermietet.
Auch die Miethöhe wurde im Bauausschuss angesprochen. Auf die Frage, ob die kommunalen Wohnungen marktgerecht vermietet werden oder deutlich unter dem örtlichen Niveau liegen, erklärte Fritsch, dass sich die Preise bei Neuvermietungen an den vom Jobcenter anerkannten Kosten der Unterkunft orientieren. Entscheidend seien die zulässigen Unterkunftskosten und Wohnungsgrößen.
Für eine alleinstehende Person gilt dabei laut Fritsch eine Wohnungsgröße von bis zu 50 Quadratmetern, ohne dass sich die zulässige Gesamtsumme mit der Größe verändert. Kleine Wohnungen seien deshalb für die Stadt besonders wirtschaftlich. Der Quadratmeterpreis liege bei sieben bis acht Euro und damit nach Einschätzung des Verwalters sogar über dem Durchschnitt.
Für die Stadt Kalbe ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die kommunalen Wohnungen werden wieder stärker nachgefragt, zugleich müssen Gebäude und einzelne Wohnungen schrittweise saniert werden. Welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, soll nach der vollständigen Bestandsaufnahme und der weiteren Haushaltsplanung entschieden werden.