In Magdeburg erleben Kinder derzeit, wie eine eigene Stadt funktionieren kann. In der Europäischen Kinderstadt „Ottopia“ übernehmen Mädchen und Jungen Aufgaben in einem Rathaus, in Betrieben, in Medienangeboten und weiteren Einrichtungen. Das Projekt verbindet Ferienprogramm und Demokratiebildung: Die Kinder entscheiden selbst, wie ihr Alltag in der Kinderstadt gestaltet wird.

Die Kinderstadt richtet sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Regel an Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen acht und 14 Jahren. Innerhalb des Geländes können unterschiedliche Bereiche entstehen – etwa eine Zeitung, eine Müllabfuhr, ein Krankenhaus, Handwerksbetriebe oder Dienstleistungsunternehmen. Auch Kultur- und Medienangebote gehören zum Konzept.

Eigene Währung und eigene Entscheidungen

Eine zentrale Funktion übernimmt die Finanzbank. Wer in einem Betrieb oder einer Einrichtung arbeitet, erhält dafür eine eigene Währung. Das verdiente Geld können die Kinder anschließend für Angebote innerhalb der Kinderstadt ausgeben. Erwachsene haben in der Regel keinen Zutritt zum Gelände; die Organisation des Stadtalltags bleibt damit weitgehend den jungen Teilnehmern überlassen.

Der Kinder- und Jugendbeauftragte Sachsen-Anhalts, Holger Paech, besuchte Ottopia am 11. August. Er ermutigte die Kinder, ihre eigenen Interessen selbstbewusst zu vertreten. Nach Einschätzung des Landes können Kinderstadt-Projekte dazu beitragen, soziale Fähigkeiten frühzeitig zu entwickeln. Die Teilnehmer lernen dabei, Argumente abzuwägen, Kompromisse zu finden, Verantwortung zu übernehmen und Vereinbarungen einzuhalten.

Bis zu 400 Kinder täglich

Ottopia startete am 3. August und läuft noch bis zum 14. August. Nach Angaben des Landes nehmen täglich etwa 350 bis 400 Kinder teil. Unterstützt werden sie von überwiegend jugendlichen Ehrenamtlichen aus Deutschland, Polen, Frankreich und weiteren europäischen Ländern.

Hauptträger ist die Europäische Jugendbildungsstätte Magdeburg beim Bildungsnetzwerk Magdeburg. Unterstützung kommt außerdem vom Europäischen Jugend-Kompetenz-Zentrum Sachsen-Anhalt „GOEUROPE!“.

Förderung durch Land, Stadt und Toto Lotto

Das Sozialministerium Sachsen-Anhalt und die Landeshauptstadt Magdeburg fördern das Projekt jeweils mit 30.000 Euro. Weitere 40.000 Euro stammen aus Toto-Lotto-Mitteln. Dazu kommen Eigenleistungen und Spenden des Projektträgers.

Kinderstadt-Projekte gab es während der Sommerferien 2026 auch in Quedlinburg, Aschersleben und Bernburg. Für das kommende Jahr ist erneut eine Kinderstadt in Halle angekündigt. Magdeburg und Halle wechseln sich nach Angaben des Ministeriums bei der Durchführung ab.