Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bringt sich Campact mit einer groß angelegten Kampagne in den Wahlkampf ein. Die Organisation investiert nach eigenen Angaben 620.000 Euro, um eine mögliche Alleinregierung der AfD zu verhindern. Empfohlen werden strategische Zweitstimmen für SPD oder Grüne.
Für die Wahl am 6. September 2026 sind rund 1,7 Millionen Menschen in Sachsen-Anhalt wahlberechtigt. Gewählt wird der neunte Landtag des Bundeslandes. Für die politische Zusammensetzung des Parlaments könnte dabei nicht nur der Abstand zwischen AfD und CDU entscheidend sein, sondern auch die Frage, welche kleineren Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.
Geld für Plakate, Anzeigen und Postwurfsendungen
Wie Campact am Freitag mitteilte, soll das Geld in Plakate, Anzeigen und Postwurfsendungen fließen. Außerdem will die Organisation mehr als 70.000 Unterstützerinnen und Unterstützer in Sachsen-Anhalt erreichen.
Finanziert wird die Aktion aus dem sogenannten NoAfD-Fonds. Nach Angaben von Campact stammt das Geld von mehr als 75.000 Spenderinnen und Spendern. Direkte Zahlungen an SPD oder Grüne seien nicht geplant. Campact bezeichnet das Vorgehen als eigenständige Kampagne und spricht offen eine Wahlempfehlung für beide Parteien aus.
Umfrage sieht AfD bei 43 Prozent
Eine Grundlage der Strategie ist eine von Campact beauftragte Befragung des Meinungsforschungsinstituts Pollytix. Zwischen dem 3. und 8. August wurden dafür 2.604 Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt befragt. In der Erhebung erreicht die AfD 43 Prozent. Die CDU kommt auf 23 Prozent, die Linke auf 13 Prozent. Für die SPD werden sieben Prozent und für die Grünen fünf Prozent ausgewiesen. Weitere 13 Prozent waren zum Zeitpunkt der Befragung noch unentschieden.
Die Zahlen sind jedoch keine Prognose für das Wahlergebnis. Sie bilden laut dem Bericht lediglich die politische Stimmung während des Befragungszeitraums ab und können sich bis zum Wahltag verändern.
Warum die Fünf-Prozent-Hürde eine Rolle spielt
Campact konzentriert seine Aktion auf SPD und Grüne, weil beide Parteien in der Umfrage nahe an der Sperrklausel liegen. Parteien, die weniger als fünf Prozent der Zweitstimmen erreichen, werden bei der proportionalen Sitzverteilung grundsätzlich nicht berücksichtigt. Dadurch kann der Sitzanteil der Parteien oberhalb der Hürde höher ausfallen als deren tatsächlicher Stimmenanteil.
Die Organisation argumentiert, dass ein Scheitern kleinerer Parteien die Chancen der AfD auf eine absolute Mehrheit der Mandate erhöhen könnte. Die Kampagne richtet sich deshalb an Wählerinnen und Wähler, die vor allem eine AfD-Alleinregierung verhindern wollen. Sie zielt nicht auf den Sieg einer einzelnen Partei, sondern auf die Zusammensetzung des künftigen Landtags. Auch für Wahlberechtigte in Stendal wird damit die Frage strategischer Zweitstimmen Teil der politischen Debatte bis zum 6. September.