Festivals, kleine Bühnen und Nachwuchsbands in Sachsen-Anhalt könnten es nach der Landtagswahl am 6. September 2026 schwerer haben. Davor warnt das Netzwerk Aktion Musik/Local Heroes e.V. aus Salzwedel, das sich seit mehr als 30 Jahren für Popförderung und Teilhabe-Projekte im Medienbereich einsetzt.
Geschäftsführerin Julia Sasse sieht nicht nur einzelne Veranstaltungen bedroht. Aus ihrer Sicht steht eine gesamte Infrastruktur aus Festivals, Clubs, Proberäumen und Nachwuchsförderung unter Druck. Das Thema ist damit auch für die Kulturszene in der Region Stendal relevant, obwohl der Verein seinen Sitz in Salzwedel hat.
Festivals als Sprungbrett für neue Bands
Eine zentrale Rolle spielen nach Einschätzung des Vereins Festivals. Nicht jeder Klub könne Nachwuchsbands auf die Bühne holen. Auf Festivals hätten junge Acts dagegen die Möglichkeit, gemeinsam mit bekannten Künstlerinnen und Künstlern aufzutreten und dadurch ein Publikum zu erreichen.
Gleichzeitig gerieten Festivals in Deutschland in eine Krise, sagte Sasse im Gespräch mit MDR KULTUR. Zwar gebe es einen Festival-Fonds des Bundes, der wichtig sei. Sollte der Bund Festivals künftig jedoch nicht mehr fördern, wären nach ihrer Einschätzung auch die Möglichkeiten für die Newcomer-Förderung gefährdet.
„Wenn der Bund also sagt, Festivals fördern wir nicht mehr, wird es schwierig – da steht eine ganze Infrastruktur auf der Kippe.“
Schwieriger werde die Situation nach Beobachtung des Vereins auch auf kommunaler Ebene. Genannt werden Magdeburg, Halle, Dessau und Salzwedel. Öffentliche Unterstützung ist laut Sasse für viele kleinere Kulturangebote entscheidend.
Weniger Förderung könnte viele Angebote treffen
Die möglichen Folgen reichen laut der Vereinsgeschäftsführerin über einzelne Konzerte hinaus. Ohne Kultur- und Popförderung fehlten kleine Bühnen und Proberäume. Auch Stadtfeste seien betroffen, weil solche Veranstaltungen durch öffentliche Mittel getragen würden.
„Ohne Kultur- und Popförderung gibt es keine kleine Bühnen mehr, keine Proberäume – damit gibt es auch kaum noch Stadtfeste.“
Für die lokale Kulturszene in Stendal und im Altmark-Raum liefert der Beitrag damit vor allem einen Blick auf die Rahmenbedingungen: Nachwuchsbands brauchen Auftrittsorte, Festivals brauchen Finanzierung, und viele Veranstaltungsformate sind auf öffentliche Mittel angewiesen. Konkrete Kürzungen oder Entscheidungen für Stendal nennt die Quelle nicht.
Landtagswahl am 6. September im Mittelpunkt
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 hat Sasse die Wahlprogramme der Parteien verglichen. Sie beschreibt große Unterschiede zwischen einer konservativen und einer freieren Betrachtung von Kulturpolitik. Zugleich sei es erstaunlich, dass überhaupt wieder darüber gesprochen werde, ob es Kultur geben solle.
Nach ihrer Beobachtung gehe es in der politischen Debatte seltener um konkrete Inhalte der Kulturpolitik als früher. Gespräche und Diskussionsrunden dazu hätten parteiübergreifend abgenommen. Sasse betont dagegen die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur und Popmusik.
Die Initiative Aktion Musik/Local Heroes entstand in der Wendezeit. Bereits zu DDR- und BRD-Zeiten kannten sich drei Initiativen und ermöglichten Band-Austausche. Nach dem Mauerfall entstand die Idee, Jugendliche aus Ost und West über gemeinsame Musikprojekte zusammenzubringen. Aus dem Teilen von Bühnen entwickelte sich zunächst ein Bandwettbewerb, aus dem Local Heroes hervorging.
Sasse beschreibt eine Band zudem als demokratisches Gefüge: Mitglieder müssten sich absprechen, Finanzen kontrollieren, die benötigte Ausrüstung planen und Aufgaben verteilen. Auch ehrenamtlich getragene Festivals seien von solchen demokratischen Prozessen geprägt.
Welche konkreten Auswirkungen die Landtagswahl auf die Kulturförderung in Sachsen-Anhalt und auf Veranstaltungen in Stendal haben wird, bleibt offen. Der MDR-Beitrag benennt bislang keine späteren Förderentscheidungen oder Maßnahmen vor Ort.