Die Popförderung in Sachsen-Anhalt steht nach Einschätzung des Vereins Aktion Musik/Local Heroes vor einer schwierigen Zukunft. Das Netzwerk aus Salzwedel warnt davor, dass fehlende öffentliche Unterstützung eine ganze Infrastruktur für junge Musikerinnen und Musiker gefährden könnte – von kleinen Bühnen und Proberäumen bis hin zu Festivals und Stadtfesten. Für die Altmark und damit auch für das Kulturleben in Stendal ist die Debatte über die künftige Kulturpolitik von Bedeutung.

Geschäftsführerin Julia Sasse äußerte sich in einem Gespräch mit MDR KULTUR im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Der Beitrag wurde am 19. August 2026 veröffentlicht. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Aussichten junge Musikerinnen nach der Wahl haben und wie Popmusik zur gesellschaftlichen Teilhabe beitragen kann.

Local Heroes arbeitet seit 1991 mit jungen Musikerinnen und Musikern

Aktion Musik/Local Heroes e.V. kümmert sich seit 1991 um Popförderung und Teilhabe-Projekte im Medienbereich. Der Verein stellt nach Angaben des MDR das notwendige Equipment zur Verfügung. Seine Geschichte reicht in die Zeit der deutschen Wiedervereinigung zurück: Bereits zu DDR- und BRD-Zeiten hatten sich drei Initiativen gekannt und Band-Austausche organisiert. Nach dem Mauerfall entstand die Idee, Jugendliche aus Ost und West über gemeinsame Musikprojekte zusammenzubringen.

Aus dem Teilen von Bühnen entwickelte sich schließlich der Bandwettbewerb Local Heroes. Die Bühne wurde dabei nicht nur als Ort für Auftritte verstanden, sondern auch als Treffpunkt für Jugendliche und als Möglichkeit, Publikum für neue Musik zu gewinnen. Heute steht die Initiative für Nachwuchsförderung und Projekte, bei denen junge Menschen Zugang zu Musik, Technik und Medien erhalten.

Sasse beschreibt Bands als demokratische soziale Gefüge: Mitglieder müssten sich absprechen, Finanzen organisieren, über benötigtes Equipment entscheiden und Aufgaben verteilen. Auch Festivals seien häufig ehrenamtlich getragen und damit von gemeinschaftlicher Beteiligung abhängig. Popmusik könne deshalb ein sozialer Resonanzraum sein, in dem demokratische Erfahrungen praktisch gemacht würden.

Kommunen und Festivals geraten unter Druck

Die finanzielle Lage habe sich nach Beobachtung des Vereins auf kommunaler Ebene verschärft. Genannt werden Magdeburg, Halle, Dessau und Salzwedel. Auch beim Bund werde die Unterstützung schwieriger, obwohl es weiterhin einen Festival-Fonds gebe, den Sasse als wichtig bezeichnete.

Festivals sind aus Sicht von Local Heroes besonders relevant für die Förderung von Newcomer-Acts. Nicht jeder Klub könne neue Bands auf die Bühne stellen. Bei Festivals hätten Nachwuchsmusikerinnen und -musiker dagegen die Möglichkeit, gemeinsam mit bekannten Acts aufzutreten. Wenn der Bund die Förderung von Festivals zurückfahre, gerate deshalb nach Einschätzung des Vereins eine größere Infrastruktur ins Wanken.

Betroffen wären nach der Darstellung von Sasse nicht nur einzelne Konzerte. Weniger Förderung könne dazu führen, dass kleine Bühnen und Proberäume verschwinden. Dadurch würden auch Auftrittsmöglichkeiten für Nachwuchsbands knapper. Als weitere Folge nennt der Verein Stadtfeste, die vielfach ebenfalls mit öffentlichen Mitteln getragen würden.

Große Unterschiede in den politischen Positionen

Mit Blick auf die Landtagswahl berichtete Sasse von deutlichen Unterschieden zwischen den Positionen der Spitzenkandidaten zur Popförderung. Sie ordnete die politischen Perspektiven grob zwei Lagern zu: einer konservativen und einer freieren Betrachtung von Kulturpolitik.

Nach ihrer Einschätzung ist es bereits bezeichnend, dass in der politischen Debatte grundsätzlich über die Frage gesprochen werde, ob Kultur noch gebraucht werde. Früher sei es stärker um Inhalte, Gespräche und Diskussionsrunden gegangen. Gespräche über kulturpolitische Inhalte fänden parteiübergreifend weniger statt, obwohl Kultur für die Gesellschaft wichtig sei.

Der Verein verbindet seine Warnung deshalb mit einer grundsätzlichen Forderung: Kultur und Popmusik müssten öffentlich gefördert werden, damit Nachwuchsarbeit, Bühnen, Proberäume und Festivals erhalten bleiben. Welche konkreten politischen Entscheidungen nach der Landtagswahl folgen, ist in dem Beitrag noch nicht benannt. Fest steht nach der Darstellung von Local Heroes jedoch, dass die weitere Finanzierung der Popkultur unmittelbare Auswirkungen auf die Möglichkeiten junger Bands in Sachsen-Anhalt haben kann.