Für die Lessing-Ganztags-Sekundarschule in Salzwedel ist das akute Platzproblem vorerst gelöst: Der Altmarkkreis Salzwedel hat Räume in einem benachbarten Geschäftshaus angemietet. Sie sollen den maroden Schulcontainer teilweise ersetzen und ermöglichen, dass die mehr als 480 Schülerinnen und Schüler auch im kommenden Schuljahr vollständig unterrichtet werden können.
Die Übergangslösung wurde nach Angaben des Landkreises innerhalb von vier Wochen gefunden. Zwischen der Sperrung des Schulcontainers und der Unterzeichnung des Mietvertrags lagen demnach nur vier Wochen – und das während der Haupturlaubszeit. Die zusätzlichen Räume hatte bis vor Kurzem der Zweckverband Breitband Altmark als Büro genutzt.
Zwei Räume sollen zum Schuljahresbeginn fertig sein
Bis zum Beginn des Schuljahres sollen zunächst zwei Räume für den Unterricht hergerichtet werden. Zwei weitere Räume sollen anschließend folgen. Vor der Nutzung als Klassenräume müssen außerdem der Brandschutz verbessert und neue Fluchtwege geschaffen werden. Diese Arbeiten übernimmt nach Angaben des Altmarkkreises der Vermieter, eine Hamburger Immobiliengesellschaft.
Die Nutzung der angemieteten Räume als Unterrichtsräume ist allerdings noch nicht endgültig freigegeben. Sie muss zunächst vom Landesschulamt genehmigt werden. Der Landkreis und die Schule betonen zugleich, dass auch diese Lösung nur vorübergehend gedacht ist.
Vollständig ersetzen können die vier Räume den bisherigen Schulcontainer nicht. Dort waren sechs Klassenräume sowie vier Räume für Sprachförderung und Personal untergebracht. Im Hauptgebäude müssen deshalb weiterhin alle enger zusammenrücken. Schulleiterin Heike Herrmann beschrieb die Situation bei einem Pressegespräch mit den Worten: Es wird kuschlig.
Fachräume werden vorübergehend Klassenzimmer
Damit alle Klassen untergebracht werden können, soll nach einem vom Lehrerkollegium unterstützten Vorschlag der Schulleiterin ein Teil der Fachräume vorübergehend für den normalen Unterricht genutzt werden. Betroffen sind unter anderem Räume für Biologie, Musik und Hauswirtschaft. Als weitere Notlösung könnte bei Bedarf auch die Aula für Unterricht genutzt werden.
Auf mögliche pädagogische Nachteile angesprochen, erklärte Herrmann, wichtiger als die Ausstattung sei die Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. Zusätzlich will sie das sogenannte Freie Lernen ausweiten. Schülerinnen und Schüler höherer Klassenstufen, denen die Lehrkräfte selbstständiges Arbeiten zutrauen, könnten an einzelnen Wochentagen Aufgaben zu Hause bearbeiten.
Der marode Container war ursprünglich als Provisorium aufgestellt worden. Anfang der 1990er Jahre sollte er lediglich zwei oder drei Jahre lang genutzt werden, um die damals steigenden Schülerzahlen aufzufangen. Nach Angaben des Kreises wurde der Untergrund deshalb nicht so aufwendig abgedichtet wie bei einem Gebäude, das über Jahrzehnte bestehen soll.
Massive Unterspülung erst in den Sommerferien entdeckt
Die Probleme des Containers waren zuletzt deutlich größer geworden. Der Gebäudetrakt war massiv unterspült. Das gesamte Ausmaß des Schadens entdeckte der Hausmeister jedoch erst zu Beginn der Sommerferien. An der Oberfläche waren zunächst nur begrenzte Schäden zu sehen; darunter wurden offenbar Unterspülungen festgestellt.
In der Kreisverwaltung wird zudem vermutet, dass auch die Sanitäranlagen nur für eine begrenzte Nutzungsdauer ausgelegt waren. In den vergangenen zwei bis drei Jahren soll es in dem Gebäude wiederholt muffig gerochen haben. Lehrerinnen, Lehrer und Schülerinnen und Schüler klagten außerdem über Kopfschmerzen. Mehrfach kam es zu Ungezieferbefall, der in sozialen Medien für Aufregung sorgte.
Der Altmarkkreis hatte das Problem nach Einschätzung der Beteiligten lange nicht umfassend angepackt. Andere Aufgaben, etwa im Straßenbau, standen zunächst im Vordergrund. Erst vor etwa vier Jahren nahm die Kreisverwaltung das Thema wieder auf. Schulleiterin Heike Herrmann hatte dem damaligen Landrat Steve Kanitz den maroden Container gezeigt und die Probleme geschildert.
Danach legte die Verwaltung dem Kreistag den Beschluss für einen Neubau auf dem Gelände der Lessing-Ganztagsschule vor. Die Abgeordneten stimmten dem Vorhaben zu. Begonnen wurde mit dem Bau bislang jedoch nicht: Auf die erste Ausschreibung gingen keine geeigneten und zuschlagsfähigen Angebote ein.
Die zweite Ausschreibungsrunde endet am 10. August. Für den millionenschweren Neubau will der Altmarkkreis Mittel aus dem Infrastruktur-Fonds des Bundes einsetzen. Wann das neue Schulgebäude fertig werden kann, ist weiterhin offen. Bis dahin soll die Anmietung der Geschäftsräume den Unterrichtsbetrieb in Salzwedel absichern.