Ein verschwundenes Lamm beschäftigt derzeit den Schäfer Helmut Doberstein in Neulingen, einem Ortsteil von Arendsee. Am Montagmorgen stellte er beim Kontrollgang hinter seinem Haus fest, dass eines seiner Tiere fehlte. Später fand sein Glatthaar-Foxterrier Uschi die Überreste des drei Monate alten Barbados-Lamms nach und nach auf der Wiese.

Besonders ungewöhnlich ist für Doberstein, dass der rund einen Meter hohe Zaun nach seiner Einschätzung vollkommen intakt war. Nirgends seien Fellspuren zu sehen gewesen, die darauf hindeuten könnten, dass sich das Tier am Zaun verfangen hatte oder durch eine Öffnung entkommen war. Für den Schäfer spricht dieser Umstand dafür, dass ein Wolf das Lamm über den Zaun gezogen haben könnte.

Schäfer findet Überreste auf der Wiese

Doberstein hält seit mehr als 40 Jahren Schafe. Die Tiere dienen ihm vor allem dazu, seine Wiese kurz zu halten. Nach seinen Angaben ist bisher noch nie ein Schaf aus seiner kleinen Herde verschwunden. Dass ausgerechnet ein erst drei Monate altes Lamm gerissen wurde, trifft ihn deshalb besonders.

Der Verlust wiegt für ihn auch deshalb schwer, weil die Schafnachzucht in diesem Jahr ohnehin schwierig sei. Zusätzlich sorgt ihn die mögliche Konsequenz: Um seine Tiere künftig besser zu schützen, müsste er womöglich einen teuren Elektrozaun anschaffen. Für eine kleine Herde wäre das eine erhebliche zusätzliche Belastung.

Wolfskompetenzzentrum untersucht den Riss

Um die Ursache des Vorfalls klären zu lassen, informierte Doberstein das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Fachleute des Wolfskompetenzzentrums in Iden kamen daraufhin vor Ort und begutachteten den Nutztierriss.

Eine abschließende Beurteilung liegt bislang noch nicht vor. Erst wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, kann geprüft werden, ob die Voraussetzungen für eine Entschädigung erfüllt sind. Ob tatsächlich ein Wolf für den Tod des Lamms verantwortlich ist, ist damit derzeit noch nicht abschließend bestätigt.

Für den Schäfer steht die finanzielle Frage allerdings nicht im Mittelpunkt. Er möchte seine Schafe weiterhin halten können, ohne ständig befürchten zu müssen, dass ein Wolf die Herde angreift. Sein Wunsch ist, dass seine Tiere künftig wieder sicher auf der Wiese bleiben können.

Der Fall ereignete sich in Neulingen bei Arendsee und damit nicht in der Hansestadt Stendal. Für Stendal besteht in diesem Bericht lediglich ein regionaler Bezug; eine konkrete Betroffenheit der Stadt wird in der Quelle nicht genannt.