Bei einer bundesweiten Razzia gegen mutmaßliche Anhänger der verbotenen rechtsextremen „Artgemeinschaft“ haben Ermittler auch in der Altmark zugeschlagen. Ein Schwerpunkt lag in Gardelegen, darunter nach MDR-Informationen im Ortsteil Ipse. Bei den Durchsuchungen wurden Waffen, Laptops, Handys und Dokumente gefunden. Festnahmen gab es nach Angaben der Behörden nicht.
Die Einsatzkräfte durchsuchten am Donnerstag insgesamt 15 Objekte in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Die Ermittlungen richten sich gegen 15 deutsche Beschuldigte. Hintergrund ist ein Verfahren wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Vereinigungsverbot, wie die Staatsanwaltschaft Halle dem MDR mitteilte.
Ermittlungen wegen Waffen und Vereinsverbot
Welche Waffen entdeckt wurden, teilte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht mit. Gegenstand der laufenden Ermittlungen sind unter anderem mögliche Verstöße gegen das Waffengesetz. Zusätzlich sicherten die Ermittler elektronische Speichermedien wie Laptops und Mobiltelefone sowie Dokumente.
Die Durchsuchungen in Gardelegen stehen laut Staatsanwaltschaft auch im Zusammenhang mit einer sogenannten Sommersonnenwendfeier, die im Juni dort stattgefunden hatte. Nach Recherchen des „Spiegel“ soll die Feier auf dem Anwesen des AfD-Landtagskandidaten Simon Lansmann stattgefunden haben. Auch der AfD-Landtagskandidat Sebastian Koch soll an der Veranstaltung teilgenommen haben.
AfD-Kandidaten laut Anwalt im Fokus
Nach Angaben des Rechtsanwalts von Lansmann und Koch waren beide Männer von der polizeilichen Maßnahme betroffen. Der Anwalt bestätigte dem MDR, dass die beiden AfD-Landtagskandidaten im Fokus der Ermittler standen. Nach Angaben des Anwalts distanzieren sich Lansmann und Koch von der Ideologie der „Artgemeinschaft“ und seien nicht Mitglied der verbotenen Organisation.
Der Anwalt erklärte außerdem, auf Lansmanns Hof habe – wie bereits in den Vorjahren – eine private Sommersonnenwendfeier stattgefunden. Mit der verbotenen „Artgemeinschaft“ habe diese Veranstaltung nichts zu tun gehabt. Der AfD-Landesverband wollte sich zu den Ermittlungen nicht äußern.
An dem länderübergreifenden Einsatz waren nach neuen Angaben der Staatsanwaltschaft Halle etwa 250 Beamtinnen und Beamte beteiligt. Wegen der großen Zahl an Durchsuchungsorten unterstützten die beteiligten Bundesländer die Maßnahme gegenseitig. Zu den Beschuldigten, den genauen Orten außerhalb Sachsen-Anhalts und weiteren Einzelheiten der Feier machte die Behörde mit Blick auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben.
„Artgemeinschaft“ seit 2023 verboten
Das Bundesinnenministerium hatte die „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e. V.“ am 4. August 2023 verboten und aufgelöst. Vollzogen wurde das Verbot Ende September 2023. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigte die Entscheidung am 29. April 2026 als rechtmäßig.
Nach Auffassung des Bundesinnenministeriums richtete sich die Vereinigung gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung. Das Gericht sah im Selbstverständnis der Gruppe zentrale Elemente der NS-Rassenlehre. Die aktuellen Durchsuchungen sollen nun klären, ob Beschuldigte gegen das Vereinsverbot verstoßen haben.