OSTERBURG/STENDAL. Mit Musik, Kunst und Begegnungen hat Osterburg am Samstag ein öffentliches Zeichen für Demokratie, Toleranz und Inklusion gesetzt. Bei der Sommermeile im Herzen der Altmarkstadt präsentierte auch die Borghardt Stiftung zu Stendal ihre Arbeit. Im Mittelpunkt standen selbstgefertigte Holzprodukte und die Frage, wie das Leben von Menschen mit Behinderung sichtbarer werden kann.
Das Fest stand unter dem Motto „Fröhlich. Lebendig. Offen.“ Eingeladen hatte das Einfach-Machen-Netzwerk. Auf dem August-Hilliges-Platz trafen dabei Musik, politische Information, Vereinsleben und Angebote für Familien aufeinander. Der Osterburger Ukrainechor „Roter Schneeball“ sang gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern, während Sportvereine und ein Geschicklichkeitsparcours für kleine Tretroller- und Fahrradfahrer die Meile mit Leben füllten. In Bastel- und Malecken konnten Kinder mit ihren Eltern aktiv werden.
Handwerk aus der Borghardt Stiftung
Am Stand der Borghardt Stiftung zeigte Jan Mann, welche Produkte in der Behinderten-Holzwerkstatt entstehen. Der 61-Jährige arbeitet dort seit vier Jahren. Auf der Ladentheke lagen unter anderem Handyhalter, Herzen und Kerzenleuchter. Mann erklärte: Habe ich alles selbst gemacht, gebaut und geschliffen. Zugleich sagte er, dass er an diesem Tag „heute ziemlich aufgeregt“ sei.
Seine Arbeiten fanden bei den Gästen Interesse. Iris Koch aus Bremen, die ursprünglich aus Osterburg stammt und nach 20 Jahren erstmals in ihre Heimat zurückgekehrt war, kaufte einen Kerzenleuchter. Sie sagte: Ich liebe das, was die Menschen in den Behindertenwerkstätten machen – auch, damit sie nicht zurückbleiben. Das ist für mich ganz wichtig.
Für die Stiftung war die Teilnahme mehr als ein Verkaufsstand. Vorstand Andreas Schulz sagte, die Borghardt Stiftung wolle das Leben mit Behinderung bei der Sommermeile bewusst in den Fokus rücken. Zugleich verwies er auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und die politischen Debatten über Inklusion. Schulz sagte: Wenn man sich mit dem Wahlprogramm beschäftigt und dort liest, dass Inklusion ein gescheitertes Experiment ist, dann ist es gut, dass wir genau dagegensprechen und hier ganz bewusst einen Gegenpunkt setzen.
Parteien, Vereine und Familien bei der Demokratie-Meile
Mehrere etablierte Parteien waren mit Informationsständen vertreten: SPD, FDP, Die Linke sowie Bündnis 90/Die Grünen. AfD-Sympathisanten beobachteten das Fest laut Bericht von der anderen Straßenseite; sie seien nicht eingeladen worden, hieß es. Schulz erklärte, die Menschen in der Stiftung hätten den Wahlkampf wahrgenommen und hätten wegen der anstehenden Wahl Bedenken.
Auch Ralf Engelkamp aus der örtlichen Kreativ- und Kulturszene hatte die Sommermeile gemeinsam mit Mitstreitern des Einfach-Machen-Netzwerks organisiert. Seine Botschaft an die Besucher lautete: Wir möchten den Menschen die Botschaft mitgeben, tut euch zivilgesellschaftlich zusammen, macht was, stellt was auf die Beine und dann können wir gemeinsam was bewirken – ja, an einer besseren Welt bauen.
Die Besucher machten deutlich, warum sie gekommen waren. Handballer Mario Fischer von der heimischen HSG sagte: Wir wollten einfach schauen, wie das Demokratieleben hier in Osterburg angenommen wird und dabei sein. Jana Hentschel besuchte die Veranstaltung mit ihrer Tochter Elisa. Beide äußerten ihre „Sorge, was die Wahlen angeht. Dass es in eine Richtung geht, die wir alle nicht möchten. Deshalb wollen wir Flagge zeigen.“ Theresa Lavandier wollte mit ihren Kindern ein „Zeichen für Vielfalt und Liebe setzen, für Nächstenliebe“.
Altmark-Karawane reist weiter
Zum Abschluss der Sommermeile erreichte die Altmark-Karawane Osterburg als Etappenziel. Ein kleines Mitsing-Konzert empfing die Fahrerinnen und Fahrer des Konvois. Die Karawane sollte noch bis Ende August durch den Norden Sachsen-Anhalts reisen. Sie versteht sich als Mutmach- und Mitmach-Karawane für Vielfalt und Toleranz und besucht mehrere Orte in der Region.
Der MDR-Bericht wurde am 25. August 2026 um 11:45 Uhr veröffentlicht und ordnet die Veranstaltung in die Debatte über die Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 und die Zukunft der Inklusion ein.