Die geplante Reform der Altersrente sorgt in Ostdeutschland für Widerstand. Sachsen-Anhalts Regierungschef Sven Schulze fordert gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren zu erhalten. Für viele Beschäftigte in Sachsen-Anhalt geht es damit um die Frage, ob sie weiterhin vor der regulären Altersgrenze ohne Abschläge in den Ruhestand gehen können.

Die drei CDU-Ministerpräsidenten haben sich mit einem gemeinsamen Forderungskatalog an die Bundesregierung gewandt. Ihr zentrales Argument: Viele Ostdeutsche hätten zwar jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge gezahlt, aber wegen ihrer wirtschaftlichen Ausgangslage deutlich weniger Möglichkeiten gehabt, eine umfangreiche private Altersvorsorge aufzubauen.

Über 9000 neue Renten in Sachsen-Anhalt

Wie groß die praktische Bedeutung der Regelung ist, zeigen die Zahlen für Mitteldeutschland. Im Jahr 2025 gingen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen insgesamt 33.741 Menschen über die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in den Ruhestand. Dafür sind mindestens 45 Versicherungsjahre erforderlich.

Auf Sachsen-Anhalt entfielen 9.173 neue Renten. In Sachsen waren es 15.617, in Thüringen 8.951. Insgesamt begannen in den drei Ländern im vergangenen Jahr 101.298 Menschen erstmals mit dem Bezug einer Altersrente. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Mitteldeutschland lag bei 64,21 Jahren.

Die häufig verwendete Bezeichnung „Rente mit 63“ beschreibt die aktuelle Regelung allerdings nur noch ungenau. Jüngere Jahrgänge können nicht mehr grundsätzlich mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Die Altersgrenze wird schrittweise angehoben. Entscheidend bleiben die Zahl von 45 Versicherungsjahren und das jeweilige Geburtsjahr. Auch die reguläre Altersgrenze steigt weiter in Richtung 67 Jahre.

Rentenkommission schlägt Ende der bisherigen Regelung vor

Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hatte vorgeschlagen, die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte in ihrer bisherigen Form zu beenden. Kretschmer, Schulze und Voigt stellen sich gegen diesen Teil der Reform und verlangen, ostdeutsche Erwerbsbiografien stärker zu berücksichtigen.

Der Widerstand reicht über die CDU hinaus. Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach sich ebenfalls gegen eine Abschaffung aus. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatte zuvor eine ähnliche Position vertreten. Damit formiert sich in mehreren ostdeutschen Ländern parteiübergreifende Kritik.

Härtefall- und Übergangsregeln im Gespräch

Unionsfraktionschef Thorsten Frei hält grundsätzlich am Reformkurs fest, signalisiert aber Bereitschaft zu Härtefall- und Übergangsregelungen. Davon könnten insbesondere Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder körperlich belastenden Berufen profitieren.

Thüringens Sozialministerin Katharina Schenk fordert eine stärkere Berücksichtigung von Beschäftigten in Pflege, Bau und Schichtarbeit. Sie bringt dafür eine sogenannte Schutzrente ins Gespräch. Der weitere Verlauf der Reform ist damit offen. Im Kern geht es um die politische Bewertung langer Erwerbsbiografien – und in Ostdeutschland zusätzlich um Arbeitsleben, die teilweise noch in der DDR begonnen haben.