Für die Bahnreisenden in Stendal zeichnet sich ab Oktober 2026 eine massive Einschränkung ab: Nach den derzeitigen Plänen verliert die Hansestadt für 14 Monate sämtliche ICE-Anschlüsse nach Berlin und Niedersachsen. Auch direkte Regionalverbindungen sollen wegen der Bauarbeiten nicht fahren. Die Stadt will die Folgen nicht hinnehmen und ruft Bürgerinnen, Bürger und Institutionen zum Protest auf.
Auf der Internetseite der Hansestadt steht eine Textvorlage bereit, die an Bahnchefin Evelyn Palla geschickt werden kann. Mit den Protestbriefen soll der Druck auf den Bahnvorstand erhöht werden. Die Stadt fordert während der Bauphase insbesondere bessere Verbindungen in Richtung Berlin und Wolfsburg.
Stendal soll vom ICE-Netz abgeschnitten werden
Hintergrund sind Bauarbeiten an mehreren Bahnstrecken. Die Elektrifizierung der sogenannten Lehrter Stammbahn zwischen Gardelegen, Stendal und Rathenow wird voraussichtlich nicht wie geplant bis Ende 2026 fertig. Nach Angaben des MDR soll sich die Fertigstellung bis Ende 2027 verschieben.
Diese Verzögerung hat direkte Auswirkungen auf die geplante Sanierung der ICE-Strecke Hannover–Stendal–Berlin. Die Lehrter Stammbahn sollte im Jahr 2027 als Ausweichstrecke dienen. Weil sie dann voraussichtlich noch nicht fertig ist, kann diese Funktion nicht genutzt werden. Die ICE-Strecke soll 30 Jahre nach ihrer Fertigstellung saniert werden.
Das Ergebnis ist für Reisende in Stendal besonders einschneidend: Der ICE-Bahnsteig 1 soll ab Oktober über ein Jahr lang ohne reguläre ICE-Züge bleiben. Die derzeitige Planung sieht außerdem vor, dass auch direkte Regionalzüge ausfallen. Als Ersatz sollen Busse eingesetzt werden.
Stadt stellt Protestbriefe bereit
Die Hansestadt setzt nun auf eine breite Beteiligung. Die vorbereiteten Briefe können von jedermann auf der Webseite der Stadt heruntergeladen werden. Sie richten sich an die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn und sollen deutlich machen, dass Stendal während der Bauarbeiten nicht vom Fernverkehr abgehängt werden darf.
Bürgermeister Bastian Sieler (parteilos) unterstützte den Aufruf in einem Instagram-Post mit den Worten: „Wir müssen laut werden gegenüber der Bahn.“ Zugleich betonte er, Stendal dürfe nicht abgehängt werden.
Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hatte sich bereits für bessere alternative Anbindungen ausgesprochen. Als mögliche Wege wurden Verbindungen über Magdeburg oder Wittenberge genannt. Welche zusätzlichen Angebote neben den angekündigten Bussen eingerichtet werden, ist nach dem vorliegenden Stand noch offen.