Ein Experimentierkoffer, ein vierwöchiges Praktikum und eine ungewöhnlich nachhaltige Idee: Die 19-jährige Lehramtsstudentin Leonie Schmundt hat im Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) Arendsee das fünftägige Klassenfahrtprojekt „Wetterforscher in Arendsee“ entwickelt. Schulklassen sollen dabei selbst messen, vergleichen und auswerten, wie sich das Wetter verändert.
Schmundt studiert dual an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Ihr vorgeschriebenes außerschulisches pädagogisches Praktikum absolvierte sie im KiEZ Arendsee. Als Einsatzschule ist in ihrem Studium die Sekundarschule „Johann Friedrich Danneil“ in Kalbe (Milde) vorgesehen. Für das Praktikum suchte sich die Studentin jedoch bewusst einen anderen Lernort aus.
Aus einem Materialkoffer wird ein Klassenfahrtprojekt
Zu Beginn bekam Schmundt die Aufgabe, den Cornelsen-Experimenta-Koffer „Wind und Wetter“ für das KiEZ aufzubereiten. Der Koffer enthält Messgeräte, Arbeitsblätter und Ideen für Experimente, war zuvor aber kaum genutzt worden. Gemeinsam mit KiEZ-Geschäftsführerin Kirsten Hohmeyer entwickelte Schmundt daraus ein vollständiges Konzept.
Die Kinder arbeiten in Zwei- oder Dreierteams. Sie untersuchen Temperatur, Wind, Wolken und Niederschlag und vergleichen ihre eigenen Messungen mit verschiedenen Wetterberichten. Am Montag stehen eine Einführung und eine erste Probemessung auf dem Programm. Von Dienstag bis Donnerstag wird jeweils dreimal täglich gemessen und verglichen. Am Donnerstag folgt die gemeinsame Auswertung.
Damit das Angebot nicht wie gewöhnlicher Unterricht wirkt, hat Schmundt eigene Materialien erstellt. Dazu gehören ein persönliches Wetterbuch für jedes Kind, übersichtliche Arbeitsblätter und eine kurze Präsentation für die Abschlussauswertung. Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren ihre Werte, vergleichen die Ergebnisse und beschäftigen sich damit, wie Wetter entsteht und warum es sich verändert.
„Mir war wichtig, dass die Kinder nicht das Gefühl haben, Unterricht zu machen. Sie sollen lernen, ohne dass es wie Lernen aussieht“, erklärt Schmundt.
KiEZ Arendsee will das Angebot regelmäßig nutzen
Das Projekt verbindet Naturbeobachtung, Teamarbeit und wissenschaftliches Arbeiten. Die Kinder sind draußen, nutzen echte Messgeräte und erfahren, wie Daten aus ihrer unmittelbaren Umgebung entstehen. Nach Einschätzung des KiEZ liegt darin ein besonderer pädagogischer Wert.
„Die Mischung aus Naturbeobachtung, Teamarbeit und wissenschaftlichem Denken macht das Projekt zu einem echten Lernabenteuer. Die Kinder bewegen sich draußen, nutzen echte Messgeräte und erleben, wie Daten entstehen, nicht aus dem Internet, sondern aus ihrer eigenen Umgebung“, betont Hohmeyer.
Schmundt plante das Programm von Anfang an so, dass es auch nach ihrem Praktikum verwendet werden kann. Die Materialien sollen selbsterklärend sein und die Abläufe klar feststehen, damit Lehrkräfte möglichst wenig zusätzlichen Aufwand haben.
„Ich wollte etwas schaffen, das nicht nur für mein Praktikum funktioniert“, sagt die 19-Jährige. „Es sollte ein Angebot werden, das Klassenfahrten bereichert und gleichzeitig Inhalte des Lehrplans aufgreift.“
Das KiEZ Arendsee plant nach den Angaben der Zeitung, „Wetterforscher in Arendsee“ künftig regelmäßig einzusetzen. Für Schmundt war das Praktikum damit mehr als eine Pflichtstation im Studium: Sie konnte ein eigenes Angebot entwickeln, Verantwortung übernehmen und beobachten, wie Kinder auf ihr Konzept reagieren.