Prof. Hans-Jürgen Kaschade ist mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Wissenschaftsminister Armin Willingmann überreichte dem 86-Jährigen die Ehrung in Sachsen-Anhalt, nachdem der Bundespräsident den Orden verliehen hatte. Gewürdigt wird damit ein jahrzehntelanges Engagement, das die Entwicklung von Wissenschaft, Bildung und Kultur in Stendal nachhaltig geprägt hat.

Die Auszeichnung wurde am 17. August 2026 bekannt. Kaschade ist der Gründungsrektor der Hochschule Magdeburg-Stendal und in Stendal bereits Ehrenbürger. Seine Arbeit reicht jedoch weit über die Hochschule hinaus: Gemeinsam mit seiner Frau Hermine unterstützte er Bildungsprojekte, junge Kunstschaffende, die Museumsarbeit und die regionale Gründungsförderung.

Aufbau der Hochschulstandorte nach der Wiedervereinigung

Kaschade kam nach der deutschen Wiedervereinigung aus Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt. Ab 1991 übernahm er als Gründungsrektor den Aufbau der Fachhochschule Magdeburg. Vier Jahre später kam der Aufbau der Fachhochschule Stendal hinzu. Beide Standorte wurden später zur heutigen Hochschule Magdeburg-Stendal zusammengeführt.

Der Aufbau neuer Hochschulstrukturen gehörte nach der Wiedervereinigung zu den zentralen Aufgaben in Sachsen-Anhalt. Kaschade übernahm dabei früh Verantwortung und gestaltete die Entwicklung der Standorte Magdeburg und Stendal entscheidend mit. Wissenschaftsminister Armin Willingmann würdigte ihn als Gründungsrektor, Stifter, Kulturförderer und Ideengeber. Seine Lebensleistung sei von Eigeninitiative und Gemeinwohlorientierung geprägt.

Stiftung, Kinder-Uni und Kultur in Stendal

1995 gründeten Hans-Jürgen und Hermine Kaschade eine Stiftung, die den Hochschulstandort Stendal bis heute unterstützt. Zu den geförderten Bildungsprojekten gehören „Jugend forscht“ und die „Kinder-Uni“. Außerdem erhalten junge Kunstschaffende über Stipendien die Möglichkeit, zeitweise in Stendal zu leben und zu arbeiten.

Auch die Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt war ein wichtiges Arbeitsfeld Kaschades. Gemeinsam mit der Winckelmann-Gesellschaft wirkte er an der Erweiterung des Museums zu Johann Joachim Winckelmann mit. Als Mitglied und Schatzmeister der Gesellschaft setzte er sich zudem für ein Kindermuseum ein, das 2006 eröffnet wurde. Zu seinen weiteren Initiativen zählen die in den 2010er Jahren entstandenen „Stendaler Lichttage“.

Engagement für Gründer und regionale Entwicklung

Seit 2001 übernahm Kaschade ehrenamtlich die Geschäftsführung des Innovations- und Gründerzentrums BIC Altmark. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums entwickelte sich die Einrichtung unter seiner Leitung zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Existenzgründungsförderung.

Mit dem Bundesverdienstorden wird Kaschades Wirken nun auch auf Bundesebene ausgezeichnet. Für die Hansestadt Stendal knüpft die Ehrung an eine bereits ausgesprochene Anerkennung an: Die Stadt hatte ihn zuvor zum Ehrenbürger ernannt. Im Mittelpunkt stehen sein Aufbau der Hochschulstandorte sowie sein langfristiger Einsatz für Wissenschaft, Bildung und Kultur.