Die Gemeinde Dähre im Altmarkkreis Salzwedel prüft ein Modell, mit dem sie sich langfristig stärker selbst mit Strom und Wärme versorgen könnte. Bei der Auswertung des Workshops „Dähre 2050: Chancen. Möglichkeiten. Aufgaben“ stellte Dirk Neubauer im Gemeinderat ein Konzept vor, das Windenergie, kommunale Einnahmen und eine eigene Wärmeversorgung miteinander verbinden soll.

Die Überlegungen wurden am Mittwoch, 26. August 2026, im Dorfgemeinschaftshaus in Bonese vorgestellt. Zuvor hatte Neubauer bereits am 13. und 14. Juni an dem Workshop zur Zukunft der Gemeinde teilgenommen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Dähre auch in rund 25 Jahren lebenswert bleiben und der demografischen Entwicklung entgegenwirken kann.

Windkraft als Einnahmequelle für die Gemeinde

Neubauer sieht in erneuerbaren Energien eine mögliche Antwort auf mehrere Probleme ländlicher Kommunen. Nach seinen Angaben verliert Dähre derzeit jährlich 17 Einwohner. Wenn sich daran nichts ändert, könnte die Gemeinde bis 2050 weniger als 1000 Einwohner haben. Das hätte laut dem Bericht Folgen für die finanziellen Zuweisungen des Landes, die Wasserinfrastruktur und die allgemeine Ausstattung der Gemeinde.

Windkraftanlagen könnten nach Neubauers Darstellung zusätzliche Einnahmen schaffen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren seien für die Gemeinde Erträge zwischen 500.000 und 750.000 Euro je Anlage möglich. „Dieses Geld bleibt hier“, sagte Neubauer laut dem Bericht.

In Dähre ist der Ausbau der Windkraft allerdings umstritten. Die Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Schmölauer Forst“ wendet sich gegen Windräder im Wald. Zeitweise war von bis zu 41 Anlagen die Rede, zuletzt von 30. Neubauer schätzte die Zahl der realistisch umsetzbaren Anlagen für das Gebiet auf zehn. Zugleich erklärte er, das vorhandene Stromnetz begrenze den Ausbau zunächst.

Strom und Wärme aus einem kommunalen Modell

Der zentrale Vorschlag sieht die Gründung eines sogenannten Dorf-Werks vor. Die Gemeinde könnte den vor Ort erzeugten Strom selbst nutzen und mit einer kommunalen Wärmeplanung verbinden. Dadurch wären nach Neubauers Darstellung ein günstiger Wärmepumpenstrom und ein Bürgerstromtarif möglich.

Als Beispiel nannte er eine vollständige Versorgung eines Einfamilienhauses mit Strom und Wärme für 340 Euro im Monat – gerechnet über einen Zeitraum von zehn Jahren. Dähre könne damit zu einem Pilotprojekt werden. Neubauer verwies außerdem auf eine Bürgergenossenschaft im Erzgebirge, die ein Kaltwärmenetz aufgebaut habe. Dabei wird Wasser mit etwa 18 Grad durch Leitungen in einem Wohngebiet geführt. In den einzelnen Häusern wird die Wärme anschließend mit eigenen Wärmepumpen nutzbar gemacht.

Hinter dem Konzept steht auch die Sorge, dass die Energiekosten für die Bevölkerung steigen. Neubauer warnte davor, dass Heizen mit Gas und das Tanken künftig deutlich teurer werden könnten. Strom, der vor Ort produziert und genutzt werde, könne dagegen günstiger sein. Er nannte als möglichen Preis 21 Cent pro Kilowattstunde.

Waldumbau bleibt ein Streitpunkt

Ein weiterer Aspekt ist der Umbau des Schmölauer Forsts. Der Wald besteht laut dem Bericht aus einer Kiefernmonokultur und muss wegen des Klimawandels angepasst werden. Neubauer argumentierte, dieser Waldumbau könne nur über Einnahmen aus der Windkraft finanziert werden. Damit bleibt der Zielkonflikt zwischen Waldschutz und Windenergie bestehen.

Neubauer war von einer Anti-Windkraft-Bewegung eingeladen worden und warb für einen sachlichen Austausch. „Die Bürger wünschen sich eine Fortsetzung des Dialogs zur Zukunftsgestaltung der Gemeinde“, lautete sein Fazit. Eine Entscheidung über den Bau von Windkraftanlagen oder die konkrete Gründung eines Dorf-Werks wird im Bericht nicht genannt.