Aus einem kleinen Versuch, Videoschnitt zu lernen, ist in Engersen ein deutschsprachiges Star-Trek-Projekt mit fast 6.000 Abonnenten entstanden. Der 41-jährige Max betreibt unter seinem Alias den YouTube-Kanal „Treknerd“, auf dem er Fakten über Raumschiffe, Figuren und Mythen aus dem riesigen Star-Trek-Universum erklärt.

Sein Anspruch: keine Meinungsvideos, sondern sorgfältig belegte Hintergrundinformationen. Dafür recherchiert Max zunächst ausführlich, schreibt ein vollständiges Skript und vertont es anschließend. Die Themen reichen von der Originalserie bis zu aktuellen Star-Trek-Produktionen bei Streaminganbietern.

Das erste Video handelte von Captain Kirks Enterprise

Der Kanal startete im August 2018. Max, gelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, wollte zunächst vor allem den Videoschnitt ausprobieren. Beliebige Filme zu produzieren, war ihm jedoch zu wenig. Er suchte nach einem Thema, das es im deutschsprachigen YouTube noch nicht gab – und entschied sich für Star Trek.

Sein erstes Video lud er am 27. August 2018 hoch. Es trug den Titel „10 Fakten über die Enterprise von Captain Kirk“. Nach 24 Stunden hatte der Beitrag etwa 200 Aufrufe. Für einen Kanal, der gerade bei null gestartet war, bedeutete das für Max bereits einen beachtlichen Anfang.

Die ersten 20 bis 25 Videos folgten demselben Muster und hießen „Zehn Fakten über …“. Max arbeitete damals mit kostenlosen Programmen, Bildern und Zoom-Effekten. Für ein Video saß er ungefähr zwei oder drei Abende am Rechner. Heute investiert er bis zu eine Woche, wenn er an zwei Stunden pro Abend arbeitet.

Statt einfacher Bildfolgen verwendet er inzwischen überwiegend passende Filmszenen. Sein Ziel ist, dass das Gezeigte genau zum gesprochenen Text passt. Diese Detailgenauigkeit, sagt der Engersener, werde von den Abonnenten und Zuschauern geschätzt.

Fakten statt persönlicher Bewertungen

Max tritt in seinen Videos nur selten selbst vor die Kamera. Gelegentlich ist er in Livestreams zu sehen, wenn Zuschauer Fragen stellen. Im Mittelpunkt stehen die Informationen: Hintergründe zu Raumschiffen, Vorgeschichten von Figuren sowie Fantheorien und bekannte Mythen.

Besonders gefragt sind Videos über Raumschiffe, die Borg und Themen rund um die Star-Trek-Mythologie. Ein Beitrag befasste sich mit dem sogenannten Redshirt-Mythos. Dieser besagt, dass Figuren in roten Uniformen in der Serie mit Captain Kirk besonders häufig sterben. Max nahm diese Behauptung unter die Lupe und widerlegte sie nach eigenen Angaben in seinem Video. Einige Beiträge des Kanals wurden mehr als 100.000 Mal aufgerufen.

Für seine Recherchen nutzt Max häufig englischsprachige Original-, Fan- und Fachseiten, weil diese umfangreicher seien als viele deutschsprachige Quellen. Anschließend schreibt er die Texte vollständig vor, bevor er sie einspricht und mit Filmszenen verbindet.

Auch beim Urheberrecht achtet der Betreiber nach eigenen Angaben auf die Vorgaben von YouTube. Bei der Verwendung fremder Filmausschnitte müsse daraus ein eigenes Werk entstehen. Max erklärt, dass in Deutschland durchgehende Ausschnitte von etwa 20 bis 30 Sekunden möglich seien, wenn sie entsprechend in eine eigene Bearbeitung eingebunden würden.

Kooperationen mit YouTubern und Star-Trek-Schauspielern

Mit dem wachsenden Kanal entstanden Kontakte in der YouTube-Szene. Die Betreiber des Wissenschaftskanals „Raumzeit“ mit rund 200.000 Abonnenten meldeten sich bei Max. Später gab Christopher ihm Tipps zum Schneiden und Editieren; außerdem übernahm Max einen Gastpart in einem Video über Lichtgeschwindigkeit, die er aus Star-Trek- und Science-Fiction-Sicht erläuterte.

Weitere Kontakte führten unter anderem zum Nachhilfe-YouTuber Lehrer Schmidt und zum Moderator Benjamin Stöwe. Für dessen Kanal „Raumschiff Eberswalde“ arbeitete Max an einem Star-Trek-Beitrag mit. Der Name nahm Bezug auf einen Star-Trek-Roman mit einem Raumschiff namens USS Eberswalde.

Auch Schauspieler aus den Serien wurden auf seine Arbeit aufmerksam. Max gestaltete Geburtstagsgrafiken, in denen er aktuelle Fotos der Darsteller mit ihren Serienfiguren kombinierte. Doug Jones, bekannt als Saru aus „Star Trek: Discovery“, schrieb ihm daraufhin über soziale Medien. Mit Aron Eisenberg, der in „Star Trek: Deep Space Nine“ Nog spielte, blieb der Kontakt länger bestehen. Eisenberg, von dem Max sogar Weihnachtsgrüße erhielt, ist inzwischen verstorben.

Ein Jahr nach dem Start überschritt „Treknerd“ die Marke von 1.000 Abonnenten und erhielt den YouTube-Partnerstatus. Damit konnte Max Werbung schalten und etwas Geld verdienen. Später deaktivierte er die Werbung wieder, weil dadurch der Druck gestiegen sei, regelmäßig neue Videos veröffentlichen zu müssen. Nach einer ruhigeren Phase von etwa drei Jahren will er den Kanal nun wieder stärker betreiben.

Mehr als 100 Videos sind bereits erschienen. Zum Zeitpunkt des Berichts arbeitete Max an einer besonderen Besprechung des Films „Der Zorn des Khan“. Zusätzlich entwickelt er gemeinsam mit einem Freund das Star-Trek-Onlinespiel „stuniverse.de“, veröffentlicht auf Instagram unter „dertreknerd“ kurze „Wusstest du …“-Beiträge und betreibt einen Discord-Server. Aus dem ursprünglichen Lernprojekt ist damit ein Netzwerk für Star-Trek-Fans geworden.