Im Vermisstenfall Inga Gehricke gibt es elf Jahre nach dem Verschwinden des damals fünfjährigen Mädchens neue Ermittlungsansätze. Nach einem erneuten Aufruf in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gingen rund 170 Hinweise bei den Behörden ein. Zehn davon stufen die Ermittler nach einer ersten Sichtung als besonders interessant ein.

Die Hinweise betreffen unter anderem den Ort, an dem Inga im Jahr 2015 verschwand, sowie Personen, die der Polizei bereits bekannt sind. Das teilte das Landeskriminalamt München rund zwei Wochen nach der Ausstrahlung auf Nachfrage mit. Der Beitrag war am 29. Juli 2026 gesendet worden. Der aktuelle Stand wurde am 7. August 2026 veröffentlicht.

Hinweise führen zum Wilhelmshof und zu bekannten Personen

Inga Gehricke war am 2. Mai 2015 mit ihrer Familie im Kreis Stendal auf dem Wilhelmshof. Die Familie besuchte dort Freunde in einer diakonischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und Suchterkrankungen. Während der Vorbereitungen für ein Grillfest verschwand das Kind. Gegen 18:40 Uhr wurde Inga nach Angaben der Ermittler zuletzt gesehen.

Vor dem erneuten TV-Aufruf hatten die Ermittler erklärt, sie hofften insbesondere auf Informationen von Menschen, die Inga nach diesem Tag gesehen haben könnten. Gesucht werden außerdem Beobachtungen zu Fahrzeugen oder Personen, die mit ihrem Verschwinden in Zusammenhang stehen könnten. Auch Personen, die sich damals in der Nähe des Wilhelmshofs aufhielten und bislang nicht befragt wurden, sollen sich melden.

Einige Hinweisgeber kontaktierten die Ermittler nach Angaben des Berichts erstmals. Eine Sprecherin rief ausdrücklich auch Menschen auf, ihre Wahrnehmungen mitzuteilen, die ihnen bisher möglicherweise unbedeutend erschienen oder über deren Weitergabe sie sich bislang nicht sicher waren.

Polizei hält ein Überleben weiterhin für möglich

Die Polizei gibt die Hoffnung nicht auf, dass Inga noch leben könnte. Deshalb suchen die Ermittler weiterhin nach Informationen darüber, ob sie nach ihrem Verschwinden irgendwo aufgetaucht ist. An der Suche beteiligen sich laut MDR auch Archäologen und Geologen. Zudem wurden Angehörige viele Jahre nach dem Verschwinden erneut befragt.

Seit 2015 haben die Beamten hunderte Hinweise ausgewertet, Waldstücke durchsucht und Teiche abgepumpt. Für Informationen, die zu Inga führen, wurde eine Belohnung von 25.000 Euro ausgelobt. Ein Smoothie-Hersteller hatte bereits Fotos und Hinweise auf Flaschen drucken lassen und angekündigt, weitere 25.000 Euro beizusteuern.

So wurde Inga 2015 beschrieben

Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war Inga schlank, hatte blaue Augen und mittellange blonde Haare. Sie hatte einen fehlenden Schneidezahn und eine Narbe am Hinterkopf. Am 2. Mai 2015 trug sie rosafarbene Haarspangen und neongelbe Haargummis.

Bekannt sind auch Einzelheiten zu ihrer Kleidung: ein geringeltes Unterhemd mit Pferdemotiv, ein mintgrünes Langarmshirt mit Schmetterlingsaufdruck und Rüschen, einen lilafarbenen Slip, eine weiße oder graue Strumpfhose sowie eine blaue Jeans mit Auswaschungen. Ihre Schuhe mit Klettverschluss aus Wildleder waren pink, violett und beerenfarbig.

Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0345/224-1291 oder per E-Mail an [email protected] entgegen. Die Ermittler suchen weiterhin nach Beobachtungen zum Wilhelmshof, zu möglichen Fahrzeugen und Personen sowie nach Informationen darüber, ob Inga nach dem 2. Mai 2015 an einem anderen Ort gesehen wurde.