Auf einem seit Monaten leerstehenden Gehöft im Brandenburger Ortsteil Mahlenzien sind bei Aufräumarbeiten alte Zündladungen sowie ein Schädelknochen und weitere Knochen entdeckt worden. Die Polizei hält es für möglich, dass es sich bei den Überresten um menschliche Knochen handelt. Die Kriminalpolizei hat deshalb ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet.
Der Fall ereignete sich nicht in Stendal, sondern in Mahlenzien, einem Ortsteil von Brandenburg an der Havel. Für Leserinnen und Leser aus Stendal ist daher vor allem wichtig: Es handelt sich um eine überregionale Polizeimeldung, nicht um einen Einsatz in der Hansestadt oder im Landkreis Stendal.
Gefährliche Gegenstände aus Schuppen geborgen
Entdeckt wurden die verdächtigen Gegenstände bereits am Samstagmittag bei Aufräumarbeiten in einem Schuppen des Gehöfts. Weil zunächst unklar war, worum es sich handelte und ob eine Gefahr bestand, wurde die Polizei hinzugezogen. Spezialisten des Landeskriminalamtes Brandenburg unterstützten die Bewertung des Materials.
Nach der Prüfung stellte sich heraus, dass es sich um ältere Zündladungen handelte. Nach Angaben der Polizei enthielten sie insgesamt weniger als 100 Gramm Sprengstoff. Obwohl die Menge vergleichsweise gering war, entschieden die Einsatzkräfte, kein Risiko einzugehen. Die Ladungen wurden zunächst in einem speziellen Sicherheitsbehälter vom Grundstück gebracht und anschließend auf einen Acker transportiert.
Dort erfolgte eine kontrollierte Sprengung. Nach lokalen Angaben war die Detonation am Samstagabend in Mahlenzien deutlich wahrnehmbar. Der Einsatz zur Beseitigung des explosiven Materials endete gegen 19.25 Uhr. Die unmittelbare Gefahr durch die Zündladungen war damit beseitigt.
Knochenfund löst Todesermittlungsverfahren aus
In einem anderen Bereich des Grundstücks fanden Polizeibeamte einen Schädelknochen und weitere Knochen. Noch ist nicht abschließend geklärt, ob sämtliche Überreste menschlichen Ursprungs sind. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand spricht laut Polizei jedoch vieles dafür.
Die Kriminalpolizei muss nun unter anderem klären, von wem die Knochen stammen, wie alt sie sind und unter welchen Umständen sie auf das Grundstück gelangten. Eine Identität einer möglichen verstorbenen Person ist bislang ebenso wenig bekannt wie ein möglicher Zusammenhang mit einer Straftat. Gesicherte Erkenntnisse zu einem Verbrechen liegen nach den vorliegenden Angaben nicht vor.
Die Einleitung eines Todesermittlungsverfahrens bedeutet dabei nicht automatisch, dass die Polizei von einem Gewaltverbrechen ausgeht. Zunächst geht es darum, die Identität und die Todesumstände einer möglicherweise verstorbenen Person festzustellen. Erst eine fachmedizinische beziehungsweise rechtsmedizinische Untersuchung kann zuverlässig klären, ob es sich tatsächlich um menschliche Überreste handelt und welche weiteren Informationen die Knochen liefern.
Zwei getrennte Ermittlungsstränge
Das Grundstück steht nach Angaben der Polizei seit mehreren Monaten leer. Der letzte Bewohner soll im Frühjahr dieses Jahres gestorben sein. Ob sein Tod mit dem Knochenfund zusammenhängt, ist offen und soll im Rahmen der weiteren Ermittlungen geprüft werden.
Neben dem Todesermittlungsverfahren läuft ein weiteres Verfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Dabei soll geklärt werden, woher die alten Zündladungen stammen, wie lange sie auf dem Gehöft gelagert wurden und wer dafür verantwortlich war.
Damit verfolgen die Ermittler zunächst zwei voneinander getrennte Fragen: die Herkunft und Lagerung des explosiven Materials sowie die Identifizierung und Untersuchung der Knochen. Warum sich beides auf dem leerstehenden Hof befand, ist derzeit nicht geklärt. Weitere Schlussfolgerungen wären nach den vorliegenden Informationen Spekulation.