Die Insolvenz der Geestferkel GmbH stellt die Schweinehaltung in Sachsen-Anhalt vor eine große Herausforderung: Rund 106.000 Tiere an 14 Stallstandorten müssen weiter versorgt und neue Betreiber gefunden werden. Bundesweit betrifft das Verfahren mehr als 200.000 Schweine an insgesamt 23 Standorten. Auch wenn die unmittelbare Versorgung im Land inzwischen als gesichert gilt, ist die Zukunft einzelner Anlagen weiterhin offen.
Geestferkel hatte am 28. Juli Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen betreibt Anlagen in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und beschäftigt nach den vorliegenden Angaben rund 188 Mitarbeiter. Betroffen sind damit nicht nur die Tiere und Beschäftigten, sondern auch eine Branche, die unter hohen Kosten und schwankenden Erlösen steht.
Versorgung der Tiere hatte zunächst Priorität
Nach Angaben des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt musste nach dem Insolvenzantrag zunächst vor allem die Versorgung der Tiere abgesichert werden. Finanzielle Mittel für Futter, tierärztliche Betreuung, Energie, Wasser und die Entsorgung der Gülle standen nur eingeschränkt zur Verfügung. An einzelnen Standorten reichten die Futtervorräte zeitweise nur noch für wenige Tage.
Behörden, Insolvenzverwaltung und die betroffenen Landkreise arbeiteten deshalb unter erheblichem Zeitdruck an einer dauerhaften Lösung. Zu den ersten Maßnahmen gehörten ein Besamungsstopp, die beschleunigte Vermarktung geeigneter Tiere und eine Verringerung der Bestände. Bei den ersten Kontrollen wurden laut dem Bericht keine akuten gravierenden Tierschutzverstöße festgestellt.
Für zehn Anlagen gibt es Perspektiven
Die Lage hat sich in Sachsen-Anhalt inzwischen zumindest teilweise stabilisiert. Für zehn der 14 betroffenen Anlagen wurden nach Angaben des Landesverwaltungsamtes bereits Fortführungsperspektiven entwickelt. Teilweise sollen neue Betreiber die Standorte übernehmen. Für weitere Anlagen laufen noch Verhandlungen.
Die Versorgung der rund 106.000 Schweine im Land gilt derzeit als gesichert. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft aller Standorte gibt es jedoch noch nicht. Die Suche nach Investoren bleibt daher entscheidend. Sollten Übernahmen scheitern, müssten die Tierzahlen weiter reduziert oder einzelne Anlagen möglicherweise aufgegeben werden.
Insolvenz als Warnsignal für die Branche
Als Gründe für die Insolvenz werden ein starker Preisverfall am Schweinemarkt, gestiegene Produktionskosten und fehlende langfristige Planungssicherheit genannt. Geestferkel hatte nach eigenen Angaben in moderne Tierhaltung investiert, konnte die zusätzlichen Kosten unter den aktuellen Marktbedingungen aber nicht ausreichend erwirtschaften.
Die Folgen könnten über die Geestferkel-Standorte hinausreichen. Eine Schließung würde neben Beschäftigten auch Futtermittellieferanten, Tierärzte, Transporteure und weitere landwirtschaftliche Betriebe treffen. Für Sachsen-Anhalt ist die akute Versorgung damit zwar vorerst geklärt. Wirtschaftlich ist die Krise jedoch nicht beendet. In den kommenden Wochen soll sich zeigen, wie viele Anlagen dauerhaft weitergeführt werden können.