Der historische Hopfendarre-Turm an der Ecke Altperverstraße/Nicolaistraße in Salzwedel bleibt ungesichert. Der dritte Versuch des Arbeitskreises Salzwedeler Altstadt (ASA), Fördermittel für die Sicherung des letzten erhaltenen Turms der ehemaligen Brauerei Meyer zu erhalten, ist gescheitert. Gleichzeitig gibt es weiterhin keinen Kaufinteressenten für das Grundstück an der Altperverstraße 17.
Der Altmarkkreis verweigert dem Verein außerdem ein Exposé zu dem Bauwerk. Nach Angaben des ASA wird dieses nur herausgegeben, wenn eine Person als Kaufinteressentin auftritt – nicht, wenn ein Verein im Interesse des Denkmalschutzes und des Erhalts des Turms danach fragt.
Kein Exposé, kein Käufer, keine Förderung
Ines Kahrens, frühere Denkmalschützerin der Stadt und heute Vorstandsmitglied im ASA, sieht darin einen wesentlichen Grund dafür, dass sich niemand für die Immobilie meldet. „Wenn man online dazu nichts findet und es keine Ausschreibung gibt, dann kann auch niemand darauf aufmerksam werden“, sagt sie über den Turm, von dem nach dem Abriss der übrigen Teile der Hopfendarre nur noch dieser Baukörper steht.
Der ASA setzt sich nach eigenen Angaben seit Langem für den Erhalt des Bauwerks ein. Der Turm gilt als letztes Zeugnis der regionalen Braukultur. Ursprünglich wurden die Dachböden des Brauereiturms genutzt, um Hopfen für die Bierproduktion zu trocknen.
Für die Sicherung sollte Geld aus dem Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ eingesetzt werden. Der Turm hätte damit gesichert werden können, ohne einen späteren Verkauf auszuschließen. Auf diese Möglichkeit hatte der Verein ausdrücklich hingewiesen.
Der Verein hatte den Altmarkkreis gebeten, den Förderantrag selbst zu stellen. Als Beispiel verwies der ASA auf das Gebäude Burgstraße 59. Dort hatte der Kreis im Rahmen einer Ersatzvornahme Mittel des Landesverwaltungsamtes für die Sicherung des Haupthauses erhalten. Für den Hopfendarre-Turm sei dieses Vorgehen jedoch nicht möglich, teilte der Kreis dem Verein schriftlich mit.
Eigentumsverhältnisse verhindern Antrag
Nach Angaben des Altmarkkreises ist seit mehr als zehn Jahren ein Nachtragsliquidator für das Grundstück bestellt. Weder der Nachtragsliquidator noch der Kreis selbst seien Eigentümer. Ohne Eigentümerschaft könnten keine Fördermittel beantragt werden.
Die Bemühungen des Nachtragsliquidators, das Grundstück zu verkaufen, seien bislang erfolglos geblieben. Der aktuelle Stand habe sich nicht verändert, teilte der Kreis in dieser Woche auf Nachfrage mit. Damit fehlt weiterhin ein Käufer, der die Immobilie übernehmen und über eine Sicherung des Turms entscheiden könnte.
Kahrens berichtet zudem, dass ihre eigenen Versuche, den in der Öffentlichkeit nicht bekannten Eigentümer telefonisch oder per E-Mail zu erreichen, bisher erfolglos waren. Aus ihrer Sicht fehlen transparente Informationen über das Objekt. Der Kreis habe dem ASA zwar Unterstützung signalisiert, falls der Verein selbst als Käufer auftreten wolle. „Das kann der Verein derzeit nicht stemmen“, betont Kahrens.
Der Verein habe zu wenige Mitglieder und sei bereits mit zwei größeren Förderprojekten ausgelastet. Kahrens kritisiert deshalb besonders die zurückhaltende Informationspolitik. „Wenn es einen Kaufinteressenten gäbe, dann müsste der schon wissen, dass es Fördermittel für Sicherung gibt“, sagt sie. Nach ihren Angaben könnten private Eigentümer bis zu 85 Prozent Förderung für eine Notsicherung einschließlich der Kosten für ein Planungsbüro erhalten. Für Vereine sei sogar eine vollständige Förderung möglich.
Grundstück verwildert – Arbeitseinsatz geplant
Wie dringend eine Entscheidung aus Sicht des Vereins ist, zeigt der Zustand des Geländes. Auf dem 889 Quadratmeter großen Grundstück liegen die Trümmer der abgerissenen Nebengebäude. Unkraut überwuchert den Bauschutt und drückt bereits den Zaun nach außen. Auch der Gehweg rund um das Grundstück ist deutlich beschädigt; insgesamt wirkt das Areal vernachlässigt.
Der ASA will sich in den kommenden Monaten bei einem öffentlichen Arbeitseinsatz um den Gehweg kümmern. Eine Lösung für die Sicherung und die Zukunft des Turms ist damit jedoch nicht verbunden.
Die Debatte um das Bauwerk hatte im Februar 2024 sichtbare Unterstützung erhalten: Damals bildeten Menschen eine Kette rund um das Gelände, um gegen die Abrisspläne zu protestieren. Im selben Jahr hoffte die städtische Wohnungsbaugesellschaft auf eine Abrissgenehmigung. Auf dem Grundstück sollte ein Mehrfamilienhaus mit günstigen Mieten entstehen. Die Genehmigung wurde nicht erteilt, das Projekt scheiterte. Der Turm steht weiterhin – seine Zukunft bleibt offen.