Milliardeninvestitionen in Ostdeutschland gehen trotz hoher AfD-Ergebnisse weiter. Tesla betreibt in Grünheide seit 2022 eine Fabrik mit mehr als 11.000 Beschäftigten. Bei Rostock plant die Schwarz-Gruppe, der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, ein Rechenzentrum für bis zu 5,6 Milliarden Euro. Für die wirtschaftliche Debatte in Stendal zeigt sich daran vor allem eines: Wahlergebnisse allein erklären nicht, wo Unternehmen investieren.

Tesla in Grünheide: Großprojekt trotz hoher AfD-Werte

Tesla entschied sich 2019 für den Standort Grünheide und eröffnete die Fabrik im März 2022. Inzwischen arbeiten dort mehr als 11.000 Menschen. Das Werk gilt als eine der größten Industrieansiedlungen Ostdeutschlands seit der Wiedervereinigung.

Brandenburg zählt zugleich zu den Bundesländern mit besonders hohen AfD-Ergebnissen. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die Partei dort 32,5 Prozent der Zweitstimmen. Die zeitliche Einordnung ist jedoch wichtig: Tesla traf die Standortentscheidung mehrere Jahre vor dieser Wahl. Brandenburg war allerdings bereits damals ein Land mit überdurchschnittlich hohen AfD-Ergebnissen.

Rechenzentrum bei Rostock noch in der Planung

Ein zweites Beispiel ist das im August 2026 angekündigte Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe bei Rostock. Nach bisherigen Angaben will das Unternehmen bis zu 5,6 Milliarden Euro investieren. Die Anlage soll eine Leistung von 240 Megawatt erreichen und damit zu den größten deutschen Datenzentren zählen.

Verfügbare Flächen und erneuerbare Energien gehören laut der Analyse zu den entscheidenden Standortvorteilen. Mecklenburg-Vorpommern kam bei der Bundestagswahl 2025 auf 35 Prozent für die AfD. Anders als bei Tesla handelt es sich bei dem Rostocker Vorhaben aber noch um ein Planungsprojekt. Eine angekündigte Investition ist deshalb nicht mit einem bereits produzierenden Werk gleichzusetzen.

Industriekrise hat mehrere Ursachen

Die Untersuchung weist zugleich darauf hin, dass die aktuellen Probleme der deutschen Industrie nicht durch eine Regierungsbeteiligung der AfD entstanden sind. Die Partei regiert bislang weder den Bund noch ein ostdeutsches Bundesland. Ende des ersten Halbjahres 2026 arbeiteten in der deutschen Automobilindustrie noch rund 691.500 Menschen. Innerhalb eines Jahres gingen etwa 42.300 Arbeitsplätze verloren – ein Rückgang um 5,8 Prozent. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe sank die Beschäftigung um rund 144.100 Stellen.

Als Standortprobleme nennen Unternehmen hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, Steuern, Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen ein schwacher Absatz, Konkurrenz aus China und Fehler deutscher Konzerne bei der Umstellung auf neue Antriebe. Die Industrieproduktion ging 2025 erneut zurück; energieintensive Branchen lagen deutlich unter dem Niveau von 2021.

Hohe AfD-Ergebnisse können für Unternehmen demnach ein zusätzlicher Risikofaktor sein. Die vorliegenden Daten belegen aber keinen allgemeinen Investitionsboykott gegen ostdeutsche AfD-Hochburgen. Entscheidend bleiben auch Energieversorgung, Infrastruktur, Flächen, Fördermittel, Fachkräfte und Genehmigungszeiten. Für Städte wie Stendal liefert die Analyse damit keinen konkreten Investitionsbeschluss, sondern einen überregionalen Hinweis darauf, wie komplex Standortentscheidungen sind.