Die Raps-Ernte im Altmarkkreis Salzwedel ist deutlich schlechter ausgefallen als in guten Jahren. Bei einer Erntebilanz des Kreisbauernverbandes Salzwedel in Klötze berichteten die Landwirte von nur 20 Doppelzentnern Raps je Hektar – 30 Prozent weniger als der Vergleichswert von 30 Doppelzentnern. Trotz eines während der Ernte gestiegenen Rapspreises fehlten den Betrieben die Mengen.

Die Bilanz wurde am Mittwochnachmittag bei der Klötzer Milcherzeugergenossenschaft gezogen. Dort traf sich der Vorstand des Kreisbauernverbandes im Betrieb von Daniel Paul, dem Vorsitzenden der Genossenschaft. Paul fasste die Lage für die beteiligten Betriebe zusammen: „Der Raps ist eine Katastrophe“.

Regenmengen unterscheiden sich stark

Als wichtigste Ursachen nannten die Landwirte den fehlenden Regen und die hohen Temperaturen im Sommer. Die Niederschlagsmengen unterschieden sich innerhalb der Region erheblich. In Tangeln wurden nach Angaben von Christian Raapke bis zum Zeitpunkt der Bilanz 212 Millimeter Regen gemessen. In Klötze waren es 293 Millimeter, an der Versuchsstation in Beetzendorf 250 Millimeter. Philipp Krümmel aus Lockstedt berichtete von 330 Millimetern, obwohl Tangeln und Lockstedt Luftlinie nur knapp zehn Kilometer voneinander entfernt liegen.

Im August fielen bis dahin insgesamt nur 18 Liter Regen, obwohl der Monat normalerweise als der feuchteste Sommermonat gilt. Auch die Beregnung, die unter anderem von den Klötzer Milcherzeugern eingesetzt wird, konnte die Folgen der hohen Temperaturen nicht ausreichend ausgleichen.

Vorstandsmitglied Christian Schmidt verwies auf Feldversuche in Bernburg. Dort lagen die Bodentemperaturen unter einer Mulchschicht um 10 bis 12 Grad niedriger als auf Flächen ohne Mulch. Die Ergebnisse zeigen aus Sicht der Landwirte, welche Bedeutung der Schutz des Bodens bei Hitze und Trockenheit haben kann.

Gerste überzeugt – Anbau wird angepasst

Durchweg zufrieden waren die Betriebe mit der Gerste. Bei Roggen, Weizen und Dinkel fielen die Ergebnisse dagegen unterschiedlich aus. Für die Landwirte bleibt das Wetter das größte und zugleich unkalkulierbare Risiko: Während andere Unternehmen weitgehend unabhängig von Witterung produzieren können, sind landwirtschaftliche Erträge direkt von den äußeren Bedingungen abhängig.

Die zunehmenden Wetterextreme beeinflussen deshalb auch die Anbauentscheidungen. Philipp Krümmel berichtete, Sommer mit 40 Grad im Schatten seien für viele Landwirte noch Neuland. „Die Pflanzen werden praktisch gebacken“, beschrieb er die Folgen. In diesem Jahr bauten die Betriebe deshalb verstärkt Sonnenblumen an, deren Kerne besonders als Vogelfutter gefragt sind. Kartoffeln wurden von keinem der genannten Betriebe angebaut.

Neben dem Wetter nannten die Vertreter des Bauernverbandes Bürokratie und generell hohe Energiekosten als weitere Belastungen. Trotzdem wollen die Landwirte weitermachen. Christian Mahlow von der Landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaft Berge sagte: „Wir drillen einfach weiter.“ Nach der Ernte beginnt für die Betriebe bereits die nächste Runde. Für das kommende Jahr hoffen sie auf bessere Bedingungen und eine Erholung bei den Kulturen.