Vor der Landtagswahl 2026 haben CDU, SPD, Die Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen ihre Vorstellungen für die Wälder in Sachsen-Anhalt vorgelegt. Der Vergleich der BundesBürgerInitiative WaldSchutz zeigt deutliche Unterschiede: Während Grüne und Linke ökologische Vorgaben und Transparenz ausweiten wollen, stellen CDU und FDP wirtschaftliche Nutzung und Eigentumsrechte stärker in den Mittelpunkt. Die SPD nimmt häufig eine mittlere Position ein.
Für die Wälder im Land geht es dabei unter anderem um Hochwasserschutz, Holzverbrennung, den Einsatz von Forstmaschinen, die Offenlegung von Bewirtschaftungsdaten und die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung. Die Antworten sind allerdings politische Absichtserklärungen. Konkrete Flächenziele, Kosten und verbindliche Fristen fehlen laut dem Parteienvergleich bei allen fünf Parteien.
Schutzwälder: mehr Ökologie oder gezielte Ausweisung?
Die Grünen wollen klimaangepasste Mischwälder, mehr Auenwald und strengere ökologische Regeln im Landeswald. Totholz soll häufiger im Wald bleiben. Außerdem unterstützt die Partei Waldflächen, die ohne wirtschaftliche Nutzung auskommen.
Die Linke befürwortet zusätzliche Schutzwälder in Gebieten, die für Hochwasser-, Wasser- oder Erosionsschutz besonders wichtig sind. Zugleich will sie die regionale Holzwirtschaft erhalten. Die SPD setzt auf klimaresiliente Dauerwälder, möchte den Landesforstbetrieb personell stärken und kleine Waldbesitzer beim Waldumbau unterstützen. Eine ausdrückliche Zusage für zusätzliche Schutzwaldflächen gibt sie jedoch nicht.
Die CDU lehnt eine pauschale Ausweitung der Schutzwälder ab. Neue Gebiete sollen nach ihren Vorstellungen nur ausgewiesen werden, wenn ihre Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Auch in Schutzwäldern hält die Partei eine aktive Bewirtschaftung für notwendig. Die FDP stellt die wirtschaftliche Nutzung in den Vordergrund und lehnt zusätzliche gesetzliche Eingriffe in Eigentumsrechte ab. Leistungen für Hochwasser-, Klima- und Artenschutz sollen stattdessen vergütet werden.
Holzverbrennung bleibt ein zentraler Streitpunkt
Besonders weit liegen FDP und Grüne bei der Frage auseinander, wie Holz künftig genutzt werden soll. Die FDP bezeichnet die thermische Nutzung als grundsätzlich klimaneutral, wenn ausreichend aufgeforstet wird. Restholz, Schwachholz und Holz aus Kurzumtriebsplantagen sollen weiterhin verbrannt werden dürfen.
Die Grünen widersprechen. Sie verweisen auf Kohlendioxid, Feinstaub und Stickoxide, die bei der Verbrennung entstehen. Langfristig sollen Holzheizungen nach dem Konzept der Partei durch Wärmepumpen, Solarthermie und Wärmenetze ersetzt werden.
Die Linke sieht den Wald nicht als Brennstofflager. Holz soll zunächst zum Bauen, Sanieren oder für langlebige Produkte eingesetzt werden. Eine Verbrennung soll erst am Ende dieser Nutzungskette stehen. Auch die SPD fordert den Vorrang der stofflichen Nutzung und will Reststoffe vor Primärholz einsetzen. Als Beispiele für Innovationen nennt sie den InnovationsHub FOKUS HOLZ+KLIMA und die Bioraffinerie im Chemiepark Leuna.
Die CDU erkennt die Klimabelastung und Schadstoffemissionen der Holzverbrennung an. Sie will Holz aus Pflege, Durchforstung und Schadensbeseitigung aber weiterhin energetisch verwerten.
Forstmaschinen, Transparenz und EU-Regeln
Bei der Bewirtschaftung der Wälder verlangen Grüne und Linke einen schonenderen Maschineneinsatz. Die Grünen nennen leichtere Maschinen, Seilkräne und kürzere Befahrungszeiten bei nassen Böden. Messsysteme sollen Bodenfeuchte, Tragfähigkeit und Verdichtung erfassen. Rückegassen sollen auf das notwendige Maß begrenzt werden.
Die Linke fordert ebenfalls weniger Rückegassen und kleinere Maschinen. Förderprogramme sollen bodenschonende Verfahren attraktiver machen; der Landeswald soll dabei als Vorbild dienen. Die SPD erklärt lediglich, dass Bodenverdichtung vermieden werden müsse, nennt aber keine konkreten Grenzwerte oder Förderinstrumente. Die CDU hält eine praktikable Zahl von Rückegassen für notwendig, legt jedoch ebenfalls keine messbaren Vorgaben vor. Die FDP verweist allgemein auf Innovation, Wissenschaft und die Weiterentwicklung der forstlichen Praxis.
Auch die Transparenz der Waldwirtschaft trennt die Parteien. Grüne und Linke wollen Bewirtschaftungsziele, Einschlagmengen, Fördermittel und größere Eingriffe in öffentlichen Wäldern offenlegen. Die Linke möchte öffentliche Förderung an ökologische Leistungen binden. Die SPD unterstützt mehr Transparenz, will Waldbesitzer aber in Entscheidungen einbeziehen und den Landesforst stärken. Einzelheiten zur Veröffentlichung von Einschlagmengen oder Planungen bleiben offen. CDU und FDP betonen dagegen die Rechte der Eigentümer. Die CDU sieht keinen Bedarf für eine staatlich koordinierte Bewirtschaftung, während die FDP auf finanzielle Anreize setzt.
Bei der EU-Wiederherstellungsverordnung unterstützen Grüne, Linke und SPD das Regelwerk grundsätzlich. Die Grünen verlangen klare Zeitpläne und ausreichend Personal. Die Linke fordert zusätzlich Geld von Bund und EU. Die SPD will Kommunen, Landwirtschaft, Naturschutzverbände und Eigentümer beteiligen.
Die FDP hält pauschale Vorgaben für falsch, akzeptiert aber die Umsetzung in Deutschland. Nutzungseinschränkungen sollen finanziell ausgeglichen werden. Die CDU bewertet die Verordnung besonders kritisch und will Verbesserungen zunächst auf bestehende Naturschutzgebiete konzentrieren. Eine Ausweitung geschützter Flächen lehnt sie ohne klare Kriterien und gesicherte Finanzierung ab.
Uneinig sind die Parteien schließlich auch über die Zuständigkeit in der Landesregierung. Grüne und Linke können sich neue Ressortzuschnitte zugunsten von Umwelt- und Waldpolitik vorstellen. Die SPD will diese Frage möglichen Koalitionsverhandlungen überlassen. Die FDP lehnt einen Wechsel ab. Die CDU verfolgt den entgegengesetzten Weg und möchte die Umweltpolitik dem Land- und Forstwirtschaftsministerium zuordnen. Welche Linie sich nach der Landtagswahl 2026 durchsetzt, bleibt damit offen.