Die sterblichen Überreste Kaiser Ottos des Großen sind am Dienstag, 1. September 2026, im Magdeburger Dom feierlich wiederbeigesetzt worden. Damit endet die Sanierung des Kaisergrabes, die im Januar 2025 begonnen hatte. Für Leserinnen und Leser in Stendal ist die Nachricht ein Blick auf ein bedeutendes Kulturdenkmal in Sachsen-Anhalt: Das Grabmal gehört zu den zentralen Erinnerungsorten der Landesgeschichte.

An dem ökumenischen Gottesdienst und dem anschließenden Festakt nahmen Ministerpräsident Sven Schulze, Kulturminister Rainer Robra und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer teil. Die beteiligten Institutionen erklärten die konservatorischen Arbeiten am Grab für abgeschlossen. Die wissenschaftliche Auswertung der geborgenen Materialien läuft jedoch weiter.

Warum das Kaisergrab gesichert werden musste

Bei einer Zustandskontrolle im Jahr 2024 hatten Fachleute erhebliche Schäden festgestellt. Gefährdet waren sowohl der aus einem Kalksteinblock gefertigte Sarkophag als auch der darin liegende Holzsarg. Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie leiteten daraufhin ein umfangreiches Sicherungs- und Forschungsprojekt ein.

Als eine Ursache der Schäden gelten eiserne Nägel und Klammern, die vermutlich bei einer früheren Reparatur im 19. Jahrhundert eingebaut worden waren. Durch Korrosion drohten die Metallteile, den Kalkstein zu sprengen. Zusätzlich belasteten starke Schwankungen der Luftfeuchtigkeit, aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Untergrund und Salze das Grabmal.

Für die Arbeiten musste der Sarkophag aus dem Hohen Chor entfernt werden. Auch der Untergrund wurde ertüchtigt, damit das Grab dauerhaft gesichert bleibt. Sämtliche Arbeiten fanden innerhalb des Magdeburger Doms statt.

Gebeine, Sarg und Marmorplatte untersucht

Vor Beginn der Konservierung dokumentierten die Fachleute das Grabmal mit nichtinvasiven Verfahren. Sie fertigten hochauflösende Fotografien, Zeichnungen und dreidimensionale Modelle an. Der Untergrund und der Sarkophag wurden außerdem mit Georadar untersucht.

Im März 2025 wurde die etwa 300 Kilogramm schwere marmorne Deckplatte abgenommen. Danach öffneten Wissenschaftler den stark beschädigten Holzsarg. Sie bargen Gebeine, Textilien, organische Reste und Sedimente, dokumentierten die Funde und konservierten sie. Anthropologische und genetische Untersuchungen bestätigten nach Angaben des Landesamtes, dass es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste Ottos I. handelt.

Für die Wiederbeisetzung wurden die Gebeine in einen neu gestalteten Sarg gelegt. Dieser war aus einem Wettbewerb der Kunststiftung Sachsen-Anhalt hervorgegangen.

Die Untersuchungen lieferten auch neue Erkenntnisse zur Deckplatte. Frühere Veröffentlichungen hatten vermutet, der Marmor könne aus Italien oder Griechenland stammen. Analysen von Fachleuten aus Wien und Bochum ergaben dagegen, dass das Material von der heutigen Marmara-Insel in der Türkei stammt. Die antike Platte wurde später für Ottos Grab wiederverwendet.

Otto I. und seine Verbindung zu Magdeburg

Die Deckplatte liegt auf einem Sarkophag aus einem an allen vier Seiten kassettierten Kalksteinblock. Die letzte dokumentierte Öffnung des Grabmals hatte 1844 stattgefunden. Damals wurde der Sarkophag repariert und konstruktiv verstärkt. Eine noch sichtbare Gedenkinschrift aus Metall kam 1937 hinzu.

Otto I. wurde 912 geboren und starb am 7. Mai 973 in Memleben. Er gilt als eine der bedeutendsten Herrscherfiguren des europäischen Mittelalters. Mit seiner Kaiserkrönung im Jahr 962 erneuerte er das weströmische Kaisertum und schuf eine wichtige Grundlage für das spätere Heilige Römische Reich.

Magdeburg nahm in seiner Politik eine zentrale Stellung ein. Otto förderte die Stadt und betrieb ihre Erhebung zum Erzbistum, die 968 vollzogen wurde. Bereits 937 hatte er dort ein Benediktinerkloster zu Ehren des heiligen Mauritius gegründet. Nach seinem Tod wurde er im Magdeburger Dom neben seiner 946 verstorbenen ersten Ehefrau Editha beigesetzt. Seit dem Neubau des Doms im 13. Jahrhundert befindet sich das Grabmal an zentraler Stelle im Binnenchor.

Die Landesregierung will das ottonische Erbe nach Angaben der Quelle bewahren und seine Bedeutung für Kultur und Tourismus stärker vermitteln. Die weitere wissenschaftliche Auswertung soll zusätzliche Erkenntnisse über Otto den Großen, seine Bestattung und die Geschichte des Magdeburger Kaisergrabes liefern.