Für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen im Landkreis Stendal geht es vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt um eine zentrale Frage: Bleiben Untertitel, Gebärdensprache und Audiodeskription des MDR auch künftig in ihrer bisherigen Form erhalten? Anlass ist die Ankündigung der AfD, im Fall eines Wahlsieges den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen. Damit könnte der MDR in Sachsen-Anhalt faktisch abgeschafft werden.
Die Sorge betrifft auch Reiko Lühe und seine Frau. Das gehörlose Paar lebt im altmärkischen Bertkow und nutzt das Fernsehen täglich, um regionale Nachrichten zu verfolgen. Um 19 Uhr sehen beide „Sachsen-Anhalt heute“, anschließend „MDR Aktuell“. Wenn es die Zeit erlaubt, kommen weitere Sendungen hinzu. Was im Fernsehen gesagt wird, erfahren sie über Untertitel und häufig über eingeblendete Gebärdendolmetscher.
„Wir haben ein Recht auf Information“
Lühe ist Vorsitzender des Gehörlosenverbandes Stendal und des Inklusionsbeirates im Landkreis Stendal. Für ihn steht deshalb nicht nur die eigene Mediennutzung auf dem Spiel. Er warnt davor, dass Menschen mit Behinderung ohne verlässliche barrierefreie Informationen weiter ins Abseits geraten könnten. „Aber wir haben ein Recht auf Information“, sagt Lühe. Regionale Nachrichten seien für ihn besonders wichtig: „Und wir sind regional und brauchen den MDR in Sachsen-Anhalt.“
Der MDR bietet nach Angaben des Senders im Vergleich zu anderen ARD-Angeboten besonders viele untertitelte Sendungen. Im Beitrag wird ein Anteil von 96 Prozent genannt. Außerdem werden pro Jahr rund 40.000 Minuten Sendezeit von Gebärdendolmetschern übersetzt.
Auch Sehbehinderte sind auf regionale Angebote angewiesen
Die Stendalerin Monika Möller ist stark sehbehindert und hört das Radioprogramm von MDR SACHSEN-ANHALT praktisch seit der ersten Sendestunde. Für Menschen, die keine Zeitung lesen können, sei das Radio „das Maß der Dinge“, erklärt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die Bezirksgruppe Nord des Blinden- und Sehbehindertenverbandes.
Auch die Audiodeskription des MDR nutzt Möller zu Hause in Stendal. Dabei beschreibt eine Sprecherin oder ein Sprecher, was gerade auf dem Bildschirm zu sehen ist. Möller setzt sich außerdem dafür ein, dass das Theater der Altmark in Stendal technisch entsprechend ausgestattet wird.
Wie wichtig solche Technik für die kulturelle Teilhabe sein kann, zeigte laut MDR in diesem Sommer das Musical „Spamalot“ auf der neuen Hafenbühne in Tangermünde. Das Spektakel war dadurch auch für blinde und sehbehinderte Menschen erlebbar.
Für Betroffene konzentriert sich die Debatte damit auf die Zukunft barrierefreier Medienangebote. Möller bezeichnete ein Ende des MDR in Sachsen-Anhalt als „eine Katastrophe“. Der Beitrag wurde am 29. August 2026 im Vorfeld der Landtagswahl veröffentlicht.