POPPau/BEETZENDORF-DIESDORF. Eine junge Familie hat im Ökodorf Sieben Linden bei Poppau ein neues Zuhause und zugleich vielfältige Aufgaben gefunden: Laura Wickert und Jan Ole Sierck leben dort seit Juli 2024 mit ihren beiden Töchtern. Sierck arbeitet nicht nur in der Verwaltung, sondern trägt auch Verantwortung für die Streuobstwiese mit mehreren hundert Bäumen.
Die Familie war vor zwei Jahren in das Ökodorf gezogen. Die jüngste Tochter war zu diesem Zeitpunkt zehn Monate alt, die beiden Mädchen sind heute viereinhalb und drei Jahre alt. Insgesamt leben nach Angaben der Familie etwa 170 Menschen in Sieben Linden. Rund 50 von ihnen sind Kinder und Jugendliche.
Vom Studium über Altenburg nach Sieben Linden
Laura Wickert ist 31 Jahre alt und wuchs am Rand der Lüneburger Heide auf. Ihr Partner Jan Ole Sierck, 34, stammt aus Kiel. Kennengelernt haben sich beide an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Dort studierten sie Betriebswirtschaftslehre; Kunst und Philosophie spielten ebenfalls eine wichtige Rolle.
Nach dem Studium zog das Paar nach Altenburg in Thüringen. Dort wollten Wickert und Sierck eine Gemeinschaft gründen und kulturelle Projekte anstoßen. Vier Jahre lang arbeiteten sie in der Stadt. Der Schritt in eine neue Stadt sei insbesondere mit Kindern schwierig, blickt Sierck zurück. In Altenburg stießen sie auf das Buch „Der Gemeinschaftskompass“ von Eva Stützel, die selbst im Ökodorf Sieben Linden lebt. Die Lektüre gab der Familie offenbar den entscheidenden Anstoß zum Umzug.
Wickert begründet den früheren Umzug nach Altenburg mit dem dortigen Leerstand und dem Wunsch, an einem Ort zu leben, an dem Menschen gebraucht werden. Beide verbinden nach eigenen Angaben eine besondere Nähe zu Ostdeutschland.
Verwaltung, Fördermittel und gemeinsames Leben
Im Ökodorf arbeiten beide in der Verwaltung der Siedlungsgenossenschaft. Wickert beschäftigt sich derzeit mit der Finanzierung eines Erweiterungsbaus für das Regiohaus. Das Gebäude werde den heutigen Anforderungen der gewachsenen Gemeinschaft nicht mehr gerecht. Der Anbau soll Platz für gemeinsame Mahlzeiten, Begegnungen und Veranstaltungen schaffen.
Ein praktisches Problem zeigt sich besonders im Winter: Während die Bewohner im Sommer auch draußen essen können, fehlt in der kalten Jahreszeit ausreichend Raum für gemeinsame Mahlzeiten. Deshalb bemüht sich Wickert um Fördermittel für das Bauvorhaben.
Sierck übernimmt in der Verwaltung die Buchhaltung und vermittelt unter anderem zwischen der Siedlungsgenossenschaft und dem Architekten. Seine Arbeit beschränkt sich jedoch nicht auf den Schreibtisch. Er hilft auch in der Gärtnerei und ist gemeinsam mit einem Team für die Streuobstwiese und die Sortengärtnerei zuständig.
Alte Obstsorten und mehr Energie aus dem Dorf
Im Ökodorf wachsen nach Siercks Angaben rund 600 Obstbäume. Etwa 400 bis 500 davon stehen auf der Streuobstwiese. Zu den angebauten Früchten gehören Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Außerdem werden zahlreiche alte Sorten erhalten.
Sierck führt dabei das Lebenswerk von Detlef „Uga“ Wolf fort. Wolf, der 2024 starb, hatte die Obstbaumschule aufgebaut und die Streuobstwiese angelegt. Die Baumschule wird von seinen Erben weitergeführt. Sierck bringt Erfahrungen aus Thüringen im Baumschnitt mit und hat eine Weiterbildung zum Streuobstfachwirt abgeschlossen.
Ziel ist es, die Sortenvielfalt zu bewahren und zugleich die Versorgung der Gemeinschaft zu verbessern. Artenvielfalt und Umweltschutz müssten dabei miteinander vereinbart werden, erklärt Sierck. Selbstversorgung und regionale Wertschöpfung zählen zu den wichtigen Themen in Sieben Linden.
Auch bei der Energieversorgung plant das Ökodorf eine Veränderung. In den kommenden zwei Jahren soll ein Stromspeicher entstehen. Damit könnte die Gemeinschaft ihren Strombedarf künftig zur Hälfte selbst decken. Derzeit liegt der Eigenanteil nach den Angaben bei etwa 20 bis 30 Prozent.
Engagement außerhalb des Dorfes gehört ebenfalls zum Alltag der Familie. Sierck ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Poppau. Wickert engagiert sich bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft im Beetzendorfer Stölpenbad und arbeitet in der Elternvertretung des Poppauer Waldkindergartens mit, den ihre Kinder besuchen.