Auf dem Dach des denkmalgeschützten Gutshaus-Komplexes in Beetzendorf soll eine öffentliche Sternwarte entstehen. Für die gemeinnützige Rittergut Beetzendorf Lernwelt GmbH ist das Vorhaben jedoch noch nicht gesichert: Zunächst muss über einen Förderantrag entschieden werden, anschließend stehen weitere bauliche und denkmalrechtliche Prüfungen an.
Die Besitzer des Ritterguts planen die Sternwarte auf dem Dach des Anbaus aus dem Jahr 1873. Vorgesehen ist eine Schiebedachhütte, die am Schornstein des backsteinernen Erweiterungsbaus angedockt werden soll. Ein solches Dach könnte auf Schienen wegrollbar oder abfahrbar sein, damit die Teleskope den Blick auf den Nachthimmel freigeben.
Entscheidung über Leader-Förderung im September
Am 8. September soll in der vierten Runde über Projekte des Leader-Programms entschieden werden. Auch die Rittergut Beetzendorf Lernwelt GmbH hat einen Antrag eingereicht und hofft auf finanzielle Unterstützung. Die Förderung wäre nach Angaben der Initiatoren wichtig, um das Dach des historischen Anbaus zu erneuern und sein ursprüngliches Erscheinungsbild wiederherzustellen.
Die Idee für die Sternwarte stammt von Markus Jungmichel. Seine Frau Christina Jungmichel, eine der Geschäftsführerinnen der Rittergut Lernwelt, erklärte, warum Beetzendorf aus ihrer Sicht ein geeigneter Standort ist:
„Beetzendorf ist nachts so schön dunkel. Da kann man gut den Sternenhimmel beobachten.“Ihr Mann habe sich erst kürzlich ein privates Teleskop gekauft. Eine öffentliche Einrichtung dieser Art gibt es laut dem Bericht bislang weder in der Altmark noch ein Planetarium.
Denkmalschutz und Statik noch offen
Selbst bei einer Zusage der Förderung wären mindestens zwei weitere Hürden zu überwinden. Die Denkmalschutzbehörden müssten dem Vorhaben zustimmen, außerdem brauche es das Okay eines Statikers. Die Betreiber haben deshalb bereits Kontakt zur Sternwarte in Quedlinburg aufgenommen.
Dort wurde ein früheres Schieberhaus auf dem Strohberg zu einer Sternwarte umgebaut. Die Beobachtungskuppel stammte ursprünglich von einer Schule in Oschersleben. Nachdem die Schule abgerissen worden war, durfte ein Verein die Kuppel abbauen und nach Quedlinburg bringen. Seit 2015 steht sie dort auf dem Dach des Schieberhauses.
Für Beetzendorf ist eine baulich andere Lösung vorgesehen.
„Wir würden versuchen, am Schornstein anzudocken.“Wenn die Sternwarte gebaut wird, sollen nach den Vorstellungen der Initiatoren auch Schulklassen dort den Sternenhimmel beobachten können.
Auch Teleskope und weitere Sanierung brauchen Geld
Neben den Räumen werden technische Geräte benötigt. Dafür hat Christina Jungmichel Kontakt zu Andreas Berger aufgenommen, der in Solingen eine Firma für astronomische Geräte betreibt. Nach seinen Angaben könnten auch solche Geräte gefördert werden; außerdem wolle er bei der Antragstellung helfen.
Berger hat das Projekt bereits mit einer Sammlung astronomischer Bücher unterstützt. Daraus soll eine kleine Bibliothek entstehen. Für die weitere Sanierung des Gutshaus-Komplexes ist zusätzlich ein Förderantrag bei Lotto Sachsen-Anhalt geplant. Spenden werden über betterplace.org gesammelt. Zum Zeitpunkt des Berichts waren rund 833 Euro von einer Zielsumme von 7.755 Euro eingegangen.
Am Sonntag, 13. September, soll der Gutshaus-Komplex im Rahmen des bundesweiten Tags des offenen Denkmals besichtigt werden können. Christina Jungmichel hofft dabei auf viele Besucher und weitere Unterstützer für das Sternwartenprojekt.