Ein Mann im Boot, ein See, Berge im Hintergrund und eine untergehende Sonne: Schon das Cover von Kerstin Holzers Roman „Thomas Mann macht Ferien – Ein Sommer am See“ verspricht Sommerstimmung. In ihrer Besprechung für die AZ Altmark beschreibt Redakteurin Ina Tschakyrow, wie die Geschichte den Tegernsee im Sommer 1918 lebendig werden lässt.
Der Roman beginnt mit der Familie Mann am Tegernsee. Zwischen Schwimmen, Angeln, Spaziergängen und einer Bergbesteigung entsteht das Bild eines scheinbar unbeschwerten Familienurlaubs. Holzer erzählt dabei in einer poetischen, bildreichen Sprache. Eine Reise wird etwa durch das Wort „Gepäckgebirge“ anschaulich gemacht. Zitate aus Thomas Manns Tagebüchern geben der Geschichte zusätzliche Authentizität.
Sommeridylle mit historischen Schatten
Die Idylle bleibt jedoch nicht ungestört. Die Handlung spielt im Jahr 1918, als sich die politische und gesellschaftliche Lage grundlegend verändert. Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg und eine Revolution prägen den Hintergrund. Auch Thomas Manns eigenes Schreiben gerät unter Druck: Sein Werk „Betrachtungen eines Unpolitischen“ passt nicht mehr zur neuen Zeit, während er mit seinem nächsten Roman „Der Zauberberg“ nicht vorankommt. Zwischendurch arbeitet er an „Herr und Hund“.
Der Weltkrieg zeigt sich im Alltag außerdem durch Einschränkungen. Lebensmittel werden rationiert, sind knapp oder fehlen vollständig. Dieser Kontrast zwischen der Schönheit des Sees und der Härte der Zeit gehört zu den zentralen Eindrücken der Besprechung.
Holzer richtet den Blick nicht nur auf Thomas Mann. Das Buch vermittelt auch Einblicke in andere Künstler, die sich damals am Tegernsee aufhielten, darunter Bertolt Brecht. So verbindet der Roman Familiengeschichte, Literatur und Zeitgeschichte.
Ein Hund als besonders unterhaltsame Figur
Besonders lebendig findet Tschakyrow die Passagen über Thomas Mann und seinen Hund Bauschan. Die Beziehung zwischen Schriftsteller und Tier wird mit Humor und Zuneigung geschildert. Der Roman zeigt damit auch eine private Seite des Schriftstellers, die neben den politischen und literarischen Themen für Leichtigkeit sorgt.
Die Familie Mann bleibt trotz aller Belastungen zunächst am Tegernsee. Die Handlung führt vom Juli über den August bis in den September. Dann rückt die Abreise näher. Die Sommerzeit endet, während Thomas Mann noch zu Hause über die vergangenen Monate nachdenkt.
Für die AZ-Redakteurin ist „Thomas Mann macht Ferien – Ein Sommer am See“ eine empfehlenswerte Sommerlektüre. Auslöser für die Lektüre war eine Empfehlung von Cornelia Schön. Die Geschichte sei eher fiktiv, zugleich persönlich, lustig und unterhaltsam, wird Schön in der Besprechung wiedergegeben.