WENDEMARK. Für eine 64-jährige Frau aus Wendemark ist das Leben auf ihrem Grundstück seit drei Jahren von Angriffen und Sachbeschädigungen geprägt. Der bislang gravierendste Vorfall ereignete sich Anfang August: Die Rentnerin trat in ihrem Garten in einen ausgelegten Krähenfuß und verletzte sich dabei – während Polizeibeamte auf dem Grundstück anwesend waren. Sie musste im Krankenhaus behandelt werden.

Die Frau lebt nach Angaben ihres Schwiegersohns Torsten Seyfferth lungenkrank und mit ihrem behinderten 40-jährigen Sohn außerhalb der Ortschaft. Auf dem abgelegenen Grundstück, das von Äckern und kleineren Wäldern umgeben ist, stehen nur zwei Häuser.

Angriffe und Schäden über mehrere Jahre

Nach Darstellung Seyfferths begann die Serie vor drei Jahren. Damals sei das Türschloss des Hauses mit Buttersäure zerstört worden. Die Familie installierte daraufhin ein zunächst nur provisorisches Kamerasystem. Danach habe es Beleidigungen, Bedrohungen, ein Körperverletzungsdelikt und zahlreiche Ordnungswidrigkeiten gegeben.

Besonders eskaliert sei die Situation während einer Sperrung der einzigen Verbindungsstraße L 2 wegen einer Baustelle. Wenige Tage nach Beginn der Sperrung sei die Straße über Stunden durch ein querstehendes Fahrzeug vollständig blockiert worden. Später drang laut Seyfferth mitten in der Nacht jemand in die Garage ein und zerschlug das alte Fahrzeug der Rentnerin.

Anfang August soll eine vermummte männliche Person auf das Grundstück gelangt sein. Dabei seien der Zaun zerschnitten, Dekorationsgegenstände zerstört und vier Kameras beschädigt worden. Außerdem wurde die Veranda mit schwarzer Farbe beschmiert. Am folgenden Tag trat die 64-Jährige in den Krähenfuß und musste medizinisch versorgt werden.

Familie sucht Unterstützung

Die Sachschäden seien kostenintensiv. Deshalb wurde ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem laut dem Bericht bereits ein dreistelliger Betrag eingegangen ist. Der Aufruf auf gofundme.com trägt den Titel „Hilfe für eine 64-jährige Rentnerin wegen rechter Gewalt“.

Seyfferth erklärt, seine Schwiegermutter wolle sich trotz der Vorfälle nicht vertreiben lassen. Die Familie stehe wegen der Situation mit den Hilfsvereinen Miteinander und Weißen Ring in Kontakt. Seyfferth sieht zudem weitere mögliche Betroffene und spricht von einer hohen Dunkelziffer.

Bürgermeister fordert Antworten

Tim Homann, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Wische, zu der Wendemark gehört, zeigte sich gegenüber der AZ erschüttert. Er habe sich als Gemeindeoberhaupt persönlich an die Polizei gewandt, weil er sich für die Bürger verantwortlich sehe.

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass so träge gearbeitet wird.“

Falls er keine Antwort erhalte, wolle er sich an das Innenministerium des Landes wenden. Eine Anfrage der AZ an die Polizei in Stendal zu den Vorfällen blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Damit sind die Vorwürfe und die genaue Einordnung der einzelnen Ereignisse durch die Polizei öffentlich bislang nicht geklärt.