Ostdeutsche Unternehmen liegen bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz weiterhin deutlich hinter dem Westen. Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen setzt KI bereits aktiv ein, im Osten sind es laut einer Mitteilung des ifo Instituts Dresden dagegen nur knapp zwei Fünftel. Der Abstand betrifft damit auch die Wirtschaftsregion, zu der Stendal gehört. Konkrete Zahlen für Unternehmen in der Hansestadt nennt die Untersuchung allerdings nicht.

Gleichzeitig ist die Nutzung in Ostdeutschland seit 2023 stark gestiegen. Der Fortschritt reicht nach Einschätzung der Forscher jedoch noch nicht aus, um den Rückstand gegenüber westdeutschen Betrieben auszugleichen. Die ostdeutsche Wirtschaft liegt beim KI-Einsatz ungefähr auf dem Niveau, das Westdeutschland bereits ein Jahr zuvor erreicht hatte.

Rückstand zeigt sich in allen Branchen

Der Unterschied lässt sich demnach nicht auf einzelne Wirtschaftszweige beschränken. Laut ifo Institut Dresden zeigt sich die KI-Lücke in allen untersuchten Branchen und in sämtlichen ostdeutschen Bundesländern. Damit geht es nicht nur um einzelne Unternehmen, die bei der Digitalisierung langsamer vorankommen.

Für Betriebe in Stendal und der Altmark liefert der Bericht keinen eigenen Unternehmensvergleich. Er beschreibt aber einen überregionalen wirtschaftlichen Rahmen: Entscheidend wird sein, wie schnell Firmen neue digitale Werkzeuge in ihre alltäglichen Abläufe integrieren. Der Zugang zu einer KI-Anwendung allein genügt dafür nicht.

Warum der Mittelstand besonders wichtig ist

Eine zentrale Rolle spielen kleine und mittlere Unternehmen. Sie prägen große Teile der ostdeutschen Wirtschaftsstruktur, verfügen aber häufig über weniger Personal und Kapital für umfangreiche Digitalisierungsprojekte. Gerade für diese Betriebe kann die Einführung neuer Technologien deshalb mit größeren organisatorischen und finanziellen Hürden verbunden sein.

Der ifo-Forscher Joachim Ragnitz sieht in den kleinen und mittleren Unternehmen zugleich den entscheidenden Ansatzpunkt für den weiteren Aufholprozess. Nach seiner Einschätzung wird es wesentlich von ihnen abhängen, ob Ostdeutschland den Abstand beim KI-Einsatz verringern kann. Für regionale Arbeitgeber bedeutet die Entwicklung damit eine strategische Frage, auch wenn die Quelle keine einzelnen Firmen aus Stendal nennt.

KI wird zur Produktivitätsfrage

Künstliche Intelligenz kann nach Angaben der Untersuchung unter anderem Recherche, Verwaltung, Kundenkommunikation, Produktion und Datenanalyse verändern. Entscheidend ist dabei, ob Unternehmen die Technologie produktiv in ihre Geschäftsabläufe einbinden.

Das ifo Institut verbindet den ostdeutschen Rückstand deshalb ausdrücklich mit der Produktivität. Unternehmen schöpfen die möglichen Chancen der Technologie nach Einschätzung der Forscher bislang nicht ausreichend aus. Die Frage nach dem KI-Einsatz berührt damit auch die Wettbewerbsfähigkeit, den Fachkräftemangel und die Möglichkeit, mit weniger verfügbaren Arbeitskräften mehr Wertschöpfung zu erzielen.

Ostdeutschland kämpft seit Jahrzehnten mit einem Produktivitätsabstand gegenüber vielen westdeutschen Regionen. Die aktuelle Entwicklung zeigt laut Bericht, dass sich Unterschiede nun auch bei der Einführung einer neuen Schlüsseltechnologie herausbilden. Wie schnell Unternehmen in Stendal und anderswo in Ostdeutschland aufholen, bleibt damit eine wichtige wirtschaftliche Zukunftsfrage.